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175 Jahre Eisenbahnverkehr in Rheinhessen, an der Nahe und in der Pfalz

ZSPNV Süd veröffentlicht umfangreiche Festschrift

Herausgeber: ZSPNV Rheinland-Pfalz Süd

Kaiserslautern: Am 11. Juni 1847 wurden die beiden Streckenäste der pfälzischen Ludwigsbahn nach Speyer und Neustadt/W mit Sonderzügen feierlich eröffnet. Mit einer 128 Seiten umfassenden Festschrift würdigt der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd das 175-jährige Jubiläum des Eisenbahnverkehrs zwischen Rhein und Saar.

In 17 Abschnitte gegliedert, beschreiben die Autoren die Geschichte und die nähere Zukunft des Bahnverkehrs im südlichen Rheinland-Pfalz. Das im Format DIN A5 gehaltene Büchlein knüpft somit an die Festschrift zum 160-jährigen Jubiläum im Jahre 2007 an: Damals wurden im gleichen Format auf ebenfalls 128 Seiten insbesondere die verschiedenen Facetten der pfälzischen Eisenbahnhistorie beschrieben. Auch die aktuelle Festschrift ist reichhaltig bebildert, wobei verschiedene öffentliche, aber auch private Archive unterstützten.

Nach einer Betrachtung der geschichtlichen Zusammenhänge – sie kann in diesem Rahmen nur sehr grob erfolgen – werden wichtige Eckpunkte der Entwicklung zwischen Bahnreform und heute beschrieben. Einen großen Raum nehmen die Zukunftsprojekte ein: Umsteigefreie Züge in die elsässische Metropole, die bevorstehende Renaissance des Batteriezuges und das Ausbaukonzept 2030Plus und vieles mehr werden umfassend dargestellt.

Später Start des Bahnverkehrs

Vom visionären Ökonom Friedrich List und seinem Entwurf für ein deutsches Eisenbahnnetz von 1833 quasi völlig ignoriert, startete der Bahnverkehr links des Rheins erst zu einer Zeit, als es schon möglich war, mit Zügen von Köln bis tief ins heutige Polen zu reisen. Doch die Pfalz und Rheinhessen sollten bald aufholen. Und auch Maßstäbe setzen: Die Konkurrenz zu den Parallelstrecken östlich des Rheins sorgte für den Einsatz leistungsfähiger Lokomotiven, die beiden Nord-Süd-Routen Mittelrhein - Pfalz – Straßburg, ob über Mainz oder durch das Alsenztal, sah mondäne Expresszüge mit noch heute klangvollen Namen.

Seit den ersten Zügen Mitte des 19 Jahrhunderts prägt der technologische Fortschritt den Bahnverkehr. Zunächst erinnerten die Wagen eher an Postkutschen und waren mit Bremserhäuschen ausgestattet, in denen Eisenbahner für das Anhalten der Züge sorgten. Durchgehende Druckluftbremsen gab es erst zum Ende des 19. Jahrhunderts. Doch nach und nach stiegen Ansprüche an Komfort und Sicherheit. Elektrische Züge gab es ebenfalls ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, die Ablösung der Dampfloks startete in Deutschland Mitte der 1930er Jahre und dauerte rund 40 Jahre. Im Personenverkehr wurden zunächst Wagen mit kleinen, von außen zugänglichen Abteilen eingesetzt, bis sich der Durchgangswagen durchsetze und so dem D-Zug seine Abkürzung verschaffte. Heute sind Klimaanlage und für die KundInnen kostenfreies WLAN Standard.

Die Regionalisierung vor 25 Jahren: Land und Kommunen sorgen gemeinsam für den Ausbau der Angebote

Die Regionalisierung des ÖPNV im Zuge der Bahnreform vor nun über 25 Jahren übertrug die Zuständigkeit für die Angebote und deren Ausstattung auf die Länder. Das Land Rheinland-Pfalz bezog die kommunalen Gebietskörperschaften in diese Gestaltungsverantwortung mit ein: Seit 1996 sorgen zwei Zweckverbände, je einer im Norden und im Süden für die stetige Verbesserung des Schienenverkehrs. Mit der Novelle des Landesnahverkehrsgesetzes zu Beginn des Jahres 2021 wurden neue Weichen gestellt, aber das bewährte Grundgerüst des gemeinsamen Engagements von Land und Kommunen beibehalten.

Nicht nur im Fernverkehr, auch im Regionalverkehr erfindet sich die Schiene immer wieder neu: Aktuell wird der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen engagiert vorangetrieben, Züge fahren zunehmend computergesteuert. Sie überwinden Grenzen, als gäbe es sie gar nicht.

Großes Eisenbahnfest im Herbst 2022

Das Jubiläumsjahr beschließen soll ein großes Eisenbahnfest mit Fahrten besonderer Fahrzeuge. Von der – leider nicht fahrbereiten -  Dampflok ´Pfalz´ bis zum Akkuhybrid-Triebwagen wird es die bunte Vielfalt des Schienenverkehrs zu sehen geben. Geplant ist ein Festakt mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und einem umfangreichen Nostalgiefahrtenprogramm vom 01. bis einschließlich 05. Oktober 2022. In Neustadt/W halten die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte und das Kuckucksbähnel mit großem ehrenamtlichen Engagement die nötige Infrastruktur für den Einsatz von historischen Lokomotiven bereit. Die Details des Programms werden derzeit vorbereitet.

Bisherige Festschriften ab 1. Juli digital abrufbar

Die Festschrift wird vrsl. ab 1. Juli 2022 auf der Homepage des ZSPNV Süd (https://www.zspnv-sued.de/) zum Download bereit stehen und ist ab Mitte kommender Woche in der Geschäftsstelle des ZSPNV im Kaiserslauterer Hauptbahnhof in gedruckter Form erhältlich.

Die bisherigen Festschriften des ZSPNV werden ebenfalls ab vrsl. 1. Juli 2022 digital abrufbar sein, die gedruckten Bestände sind vergriffen. Auf der Homepage des ZSPNV Süd werden dann die Werke über die Lautertal-, Biebermühl-, und Wieslauterbahn sowie über die Nahestrecke zum Download bereitstehen. Auch das Buch aus 2007 zum 160-jährigen Jubiläum wird dann abrufbar sein.