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Alternative Antriebsformen im Norden von Rheinland-Pfalz

Engagement für alternative Antriebsformen auf der Schiene im Norden von Rheinland-Pfalz nimmt Gestalt an;

Machbarkeitsstudie zum Pilotbetrieb eines Batterie- und eines Wasserstoff-Zuges beauftragt

Herausgeber: SPNV-Nord

Elektromobilität einschließlich der Möglichkeit zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen ist heute schon gelebte Realität im Schienenpersonennahverkehr (SPNV), dessen Verkehrsleistung bundesweit zu über 80% elektrisch und damit lokal emissionsfrei erbracht wird. Damit leistet der SPNV einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der klimapolitischen Ziele.

Trotz fortschreitender Elektrifizierung des Streckennetzes werden auch auf lange Sicht nicht alle Strecken im SPNV elektrifiziert werden können.

Um hier dennoch eine Abkehr vom Betrieb mit Dieselfahrzeugen erzielen zu können, werden Fahrzeuge mit alternativen Antriebsformen benötigt, die ihren Strom aus Energiespeichern beziehen.

Dabei existieren derzeit zwei wesentliche Technologiepfade, die aus Sicht der Branchenakteure im SPNV weiterverfolgt werden sollten. Dies sind zum einen Brennstoffzellenfahrzeuge („Wasserstoff-Züge“) und zum anderen batterie-elektrische Züge („Batterie-Züge“). Diese beiden Antriebstechniken stecken zwar immer noch in der Erprobungsphase, liefern aber bereits Ergebnisse, die zuversichtlich stimmen lassen.

Auch in Rheinland-Pfalz werden einige SPNV-Strecken auch auf Dauer nicht elektrifiziert werden können. Deshalb setzt sich das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau (MWVLW) gemeinsam mit den beiden SPNV-Zweckverbänden für den Einsatz alternativer Antriebformen im SPNV ein.

Vor diesem Hintergrund hat der SPNV-Nord in der Sitzung der Verbandsversammlung im August 2019 beschlossen, eine Machbarkeitsstudie zur Praxistauglichkeit von alternativen Antriebsformen in Zusammenarbeit mit dem MWVLW zu vergeben, deren Beauftragung jetzt erfolgt ist.

„Aus Sicht des SPNV-Nord und des Landkreises Ahrweiler begrüßen wir sehr, dass im Rahmen der Machbarkeitsstudie alternative Antriebe im Norden von Rheinland-Pfalz getestet werden sollen und die Ahrtalbahn mit dabei ist,“ so Landrat Dr. Jürgen Pföhler, Verbandsvorsteher des SPNV-Nord und Verbandsdirektor Thorsten Müller. „Damit können wir wertvolle Erfahrungen zum Einsatz der zukunftsfähigen Techniken in unserem Verbandsgebiet gewinnen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“

Ziel ist es, zur Erreichung der klimapolitischen Ziele im Kontext der Energie- und Verkehrswende auch auf der Schiene perspektivisch auf den Einsatz von Dieselfahrzeugen in Rheinland-Pfalz zu verzichten.

Gegenstand dieser Studie ist die Untersuchung der Rahmenbedingungen (Finanzierung, Zeitrahmen etc.) eines Testbetriebs von einem Batterie- und einem Wasserstoff-Zug im SPNV-Nord. Als Teststrecken sollen die Ahrtalbahn Remagen – Ahrbrück, die Pellenz-Eifel-Bahn Andernach – Kaisersesch sowie Strecken des Westerwaldnetzes der 3LänderBahn
genauer unter die Lupe genommen werden.

Entgegen geäußerter Befürchtungen bedeutet dies keine Abkehr von den Plänen zur Elektrifizierung der Ahrtalbahn, an der seitens des SPNV-Nord gemeinsam mit dem MWVLW festgehalten wird.

Da es bisher nur ansatzweise Erfahrungen mit alternativen Antrieben im Schienenverkehr gibt, werden Pilotprojekte besonders benötigt. Dabei sollen keine neuen Fahrzeuge entwickelt, sondern von der Industrie angebotene Lösungen auf ihre Alltagstauglichkeit näher getestet werden, um Erfahrungen für die Anwendung bei späteren Vergaben zu gewinnen.

Die Machbarkeitsstudie stellt die Grundlage für den geplanten Testbetrieb eines Batterie- und Wasserstoff-Zuges im Norden von Rheinland-Pfalz dar. Durch die Pilotanwendungen soll sich gemeinsam mit den beteiligten Eisenbahnunternehmen genauer mit den innovativen Antriebstechniken vertraut gemacht und geklärt werden, wie sie sich unter realen Betriebsbedingungen vor Ort verhalten.

Das Engagement für alternative Antriebsformen im Norden von Rheinland-Pfalz wird von Seiten des MWVLW ausdrücklich begrüßt und unterstützt, das als Projektpartner auch an der anstehenden Umsetzung der Machbarkeitsstudie beteiligt sind.

Dabei sagt der pragmatische Ansatz Herrn Staatssekretär Andy Becht besonders zu, der dazu meint: „Während die anderen Projekte durchweg auf den vollständigen Ansatz der neuen Technologien setzen und Diesel-züge maximal als Rückfallebene dienen, sieht der rheinland-pfälzische Ansatz gerade auch den Vergleich mit der bewährten Dieseltechnik vor, so dass ein vollständiges Bild über die Einsatzreife der neuen Techniken gewonnen werden kann. Damit können auch Fragen wie Robustheit, Praxistauglichkeit sowie betriebliche und personelle Auswirkungen direkt erfahren werden.“

Zur Auswahl eines geeigneten Dienstleisters für die Studie erfolgte eine freihändige Vergabe im Wettbewerb mit Anforderung von Angeboten bei sechs qualifizierten Beratungsunternehmen. Nach Prüfung und Bewertung der fünf fristgerecht eingereichten Angebote hat Anfang Mai 2020 die Ramboll Deutschland GmbH den Zuschlag für die Durchführung der Machbarkeitsstudie zu Pilotprojekten mit Fahrzeugen mit alternativen Antrieben im SPNV-Nord erhalten.

Die Ramboll Deutschland GmbH ist das Kompetenzzentrum für den öffentlichen Nahverkehr innerhalb der internationalen Ramboll-Gruppe. Die Machbarkeitsstudie zu Pilotprojekten mit Fahrzeugen mit alternativen Antrieben im SPNV-Nord betreut das erfahrene Team Mobility & Rail aus Berlin mit Herrn Michael Holzhey als Projektleiter.

„Es ist konsequent, dass der SPNV-Nord die verfügbaren Techniken der Industrie für alternative Antriebe im konkreten Feldeinsatz erproben will, um Erfahrungen für längerfristige Investitionsstrategien zu sammeln,“ betont Herr Holzhey. „Neu ist hierbei der explizite pluralistische Ansatz. Während andere Aufgabenträger von vornherein auf eine bestimmte Technologie setzen oder die Technologiefrage in einer abstrakten Ausschreibung versuchten zu entscheiden, erlaubt der rheinland-pfälzische Ansatz bewusst einen unmittelbaren Quervergleich der Technologien im täglichen Einsatz.“