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SPNV-Aufgabenträger finanzieren längere Züge für das 9€-Ticket

Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen im Rheinland-Pfalz-Takt sorgen für mehr Kapazitäten in den Zügen

Baumaßnahmen der DB führen landesweit zu erheblichen Einschränkungen

 

Herausgeber: ZSPNV Rheinland-Pfalz Süd und SPNV-Nord

Der bevorstehende Start des 9 €-Tickets stellt die ganze ÖPNV-Branche vor eine enorme Herausforderung. Gleichzeitig sorgen die lange geplanten Baumaßnahmen der DB Netz für erhebliche Einschränkungen. Dadurch sind mehrere, im langlaufenden Regionalverkehr wichtige Routen zeitweise unterbrochen. Dies betrifft insbesondere die Strecken entlang des Rheins, aber auch die Bahnverbindungen durch das Mosel-, Nahe- und Alsenztal.

Die Aufgabenträger für den regionalen Schienenverkehr in Rheinland-Pfalz, der SPNV Nord und der ZSPNV Süd haben gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen DB Regio, Trans Regio und Vlexx sowie den Bestellerorganisationen für das Saarland und Baden-Württemberg (dem ZPS und der NVBW) mögliche Kapazitätserweiterungen diskutiert und verabredet. Alle Beteiligten stimmen darin überein, dass an den Wochenenden Züge verstärkt werden. An Wochentagen sind die Kapazitäten wegen der Berufsverkehre ausgeschöpft, so dass nur in sehr wenigen Fällen Ergänzungen möglich sind. Die Kosten für längere Züge finanzieren nicht die Verkehrsunternehmen, sondern die öffentliche Hand.

Die vereinbarten Verstärkungen betreffen beispielsweise das Süwex-Netz mit den schnellen Regional-Express-Zügen entlang von Rhein, Mosel, Saar und durch den Pfälzerwald. In der Westpfalz und im Saarland ist die Verstärkung vieler Züge der Linie RB 70 und RB 71 zwischen Trier, Saarbrücken und Kaiserslautern von rund 200 auf rund 400 Plätze geplant.

Auch die Regionalbahnen der Mosel-, Obermosel-, Lahn- sowie Oberwesterwaldstrecke erhalten erweiterte Kapazitäten, indem in Abhängigkeit von deren Verfügbarkeit Fahrzeugtypen mit größerer Sitzplatzanzahl eingesetzt werden.

Die Züge des Rheingaus (Frankfurt – Wiesbaden – rechte Rheinstrecke - Koblenz) und der Moselweinbahn (Bullay – Traben-Trarbach) sind an den Sommer-Wochenenden bereits planmäßig mit erweiterter oder doppelter Sitzplatzanzahl unterwegs.

Bei den Linien S 1 – S 2 der S-Bahn Rhein-Neckar werden ebenfalls viele Züge um einen weiteren Triebwagen verstärkt. Dies bedeutet zwischen Kaiserslautern bzw. Neustadt(Weinstr) und Heidelberg deutlich mehr Platzkapazität. Auch die RE 6 Züge zwischen Karlsruhe und Neustadt (Weinstr) bzw. in Einzellage weiter bis Kaiserslautern sowie die Regionalbahnen zwischen Neustadt/W und Wissembourg/Alsace werden meistens doppelt gefahren. Darüber hinaus fährt der Murgtäler-Freizeitexpress nach Freudenstadt mit seinen speziellen Fahrradwagen bis Ende August auch samstags in Ludwigshafen/Rhein.  

Strecke Bingen – Worms als Ausweichroute

Im Bereich Rheinhessen/Nahe werden zusätzlich zu den Samstagen und Sonntagen schon an Freitagnachmittage Vlexx-Züge der Linie RE 3 zwischen Saarbrücken und Mainz/Frankfurt/M verstärkt. Der ZSPNV Süd weist darauf hin, dass durch den erwarteten großen Andrang die zum Teil knappen Anschlüsse in Mainz nicht erreicht werden dürften. Außerdem ist die Strecke vor Mainz zunächst durch Baumaßnahmen gar nicht befahrbar. Deshalb wird die Linie über Alzey als Ausweichroute verstärkt, auf der Rheinhessenbahn Bingen Stadt – Alzey – Worms (RB 35) fahren somit ebenfalls meistens zwei Triebwagen gekuppelt. Um einen attraktiven Anschluss im Nord-Süd-Verkehr herstellen zu können, hält der RE 2 (Koblenz – Frankfurt) am Wochenende dann zusätzlich in Bingen (Rhein) Stadt.

Lange geplante Baumaßnahmen der DB Netz sorgen für unausweichliche Einschränkungen im Bahnverkehr

Besondere Herausforderungen erwarten die Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen bei hoher Fahrgastnachfrage im Zusammenhang mit den Einschränkungen durch lang geplante Baumaßnahmen. Durch die Sperrungen im Bereich Mainz und südlich von Speyer können die langlaufenden Expresszüge Koblenz – Frankfurt/M und Mainz – Karlsruhe nicht vollständig angeboten werden. So ist die Bahnstrecke Ingelheim – Mainz noch bis einschließlich 12.06.2022 samstags ab 14 Uhr und an Sonntagen total gesperrt. Hieran, also ab 13. Juni, schließt sich bis einschließlich 29. August an allen Samstag-, Sonntag- und Montagabenden eine Abendsperrung ab ca. 20:30 an. 

Um für Fahrgäste dennoch direkte Zugverbindungen einrichten zu können, richtet der ZSPNV Süd gemeinsam mit vlexx, zwei Entlastungszüge je Richtung zwischen Mainz Hbf und Bingen ein. Diese befahren die Strecke Mainz – Armsheim ohne Halt, wechseln dort die Fahrtrichtung und halten im weiteren Verlauf auch in Gensingen-Horrweiler. Teilweise fahren diese Züge weiter von / nach Bad Kreuznach.

Speziell am Pfingstwochenende bestehen zwischen Köln, Remagen und Andernach umfangreiche und langfristig geplante Sperrungen, die durch Ersatzverkehre aufgefangen werden. Die Regionalzüge der rechten Rheinstrecke dienen als großräumige Umfahrung.

Für Reisen südlich von Koblenz und Mainz bietet sich als weitere Ausweichroute zunächst die Alsenzbahn und damit verknüpft die Direktverbindung nach Karlsruhe über Landau an. Allerdings wird die Alsenzbahn im Bereich Rockenhausen in den Sommerferien gesperrt. Auch Vlexx-Züge sind betroffen, weil die Nahestrecke im Bereich Kirn ebenfalls gesperrt werden wird.

Eine Verschiebung der Baumaßnahmen ist DB Netz nicht möglich, hierfür ist das 9 €-Ticket viel zu kurzfristig angekündigt und beschlossen worden. Deshalb werden Langstreckenreisende gebeten, die von Baustellen betroffenen Strecken möglichst zu umfahren. Die einzurichtenden Ersatzverkehre mit Bussen sind bezüglich der Kapazität auf das übliche, lokale Aufkommen hin ausgelegt. Für eine Ausweitung fehlen Busse und Fahrpersonal.

Die Aufgabenträger und die Verkehrsunternehmen weisen zusätzlich darauf hin, dass die Fahrradmitnahme nicht garantiert werden kann und bitten Reisende, diesbezüglich flexibel und verständnisvoll zu sein. Absoluten Vorrang sei Rollstühlen und Kinderwagen einzuräumen. Das Zugpersonal hat das Recht, Einzelfallentscheidungen zu treffen, die auch das Zurückbleiben der Fahrräder beinhalten dürfen. Auf eine kurzfristige Änderung der Mitnahmebestimmungen soll möglichst verzichtet werden.