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ZSPNV Süd startet Pfalznetz-Ausschreibung

Batterie-elektrische Züge sorgen künftig für lokal emissionsfreien Nahverkehr

Herausgeber: ZSPNV Rheinland-Pfalz Süd

Kaiserslautern: Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd) hat mit der Veröffentlichung des Teilnahmewettbewerbs im Amtsblatt der Europäischen Union die angekündigte Ausschreibung der regionalen Schienenverkehrsangebote in der Pfalz gestartet. Gemeinsam mit dem Saarland und dem Land Baden-Württemberg wird ein Angebotspaket von jährlich rund 5,9 Mio. Zugkilometer vergeben.

Die Pfalz fährt künftig überwiegend elektrisch

Die Vergabe wird in zwei Losen erfolgen. Tragendes Element des neuen Angebotes in Los 1 werden batterie-elektrische Fahrzeuge sein. Der ZSPNV Süd hatte im Dezember 2019, in enger Abstimmung mit dem Land und nach Vorlage zweier entsprechender Gutachten, die Entscheidung getroffen, dass auf vielen west- und südpfälzischen Strecken, die derzeit noch mit Dieseltriebwagen befahren werden, künftig batterie-elektrische Fahrzeuge zum Einsatz kommen.

Los 1 umfasst die nachfolgend dargestellten Strecken, die schrittweise auf die neuen Fahrzeuge umgestellt werden, um einen sicheren Übergang von den heutigen Dieselfahrzeugen auf die künftige Akkutechnologie gewährleisten zu können. In der folgenden Auflistung sind in Klammern die Liniennummern und das jeweils vorgesehene Datum der Integration in das neue Netz dargestellt:

Kaiserslautern – Neustadt/W – Landau – Karlsruhe (RE 6/RB 51, Dezember 2024)

Saarbrücken – Zweibrücken – Pirmasens (RB 68, Dezember 2025)

Kaiserslautern – Steinalben – Pirmasens (RE 64/RB 64, Dezember 2026)

Kaiserslautern – Olsbrücken – Lauterecken-Grumbach; (RB 66, Dezember 2026)

Kaiserslautern – Landstuhl – Glan-Münchweiler – Kusel (RB 67, Dezember 2026)

Bad Bergzabern – Winden – Karlsruhe (RB 54, Dezember 2026)

Landau – Annweiler – Hinterweidenthal – Pirmasens (RE 55/RB 55, Dezember 2026)

Saarbrücken – Dillingen – Niedaltdorf (RB 77; Dezember 2026)

Die Betriebsaufnahmen erfolgen schrittweise, weil die erforderlichen Elektrifizierungen und Ladestellen in den Endbahnhöfen noch detailliert geplant und gebaut werden müssen. Dies ist eine gemeinsame Aufgabe des ZSPNV Süd, des Landes Rheinland-Pfalz sowie der DB Netze, letztere als verantwortlicher Eigentümer der Infrastruktur. Die Laufzeit des Vertrages soll im Dezember 2039 enden. Zugelassen werden dabei ausschließlich batterie-elektrische Neufahrzeuge mit einer Kapazität von, pro Fahrzeug, mindestens 150 Sitzplätzen.

Der Betrieb der Regionalbahnlinien über die deutsch-französischen Grenzen bei Lauterbourg und Wissembourg werden gemeinsam mit der Région Grand Est in einer anderen Ausschreibung vergeben.

Im Alsenztal ab Dezember 2023 mehr umsteigefreie Verbindungen von und nach Mainz

Im Los 2, welches im Wesentlichen die Regionalbahnen und einzelne Regional-Expresszüge zwischen Kaiserslautern und Bad Kreuznach und von dort weiter nach Bingen und Mainz umfasst, können ab Dezember 2023 bis Juni 2037 moderne, gebrauchte Dieselfahrzeuge eingesetzt werden. Ab 12/2023 sind dann an Mo-Fr zusätzlich zu den heute bestehenden zwei umsteigefreien Verbindungen zwischen Mainz und Kaiserslautern fünf weitere Verbindungen vorgesehen, bei denen bei der Fahrt von Kaiserslautern nach Mainz, bzw. in der umgekehrten Richtung nicht in Bad Münster umgestiegen werden muss.

Ab Juni 2037 ist vorgesehen, die Verkehrsleistungen im Alsenztal mit den Zügen der Nahestrecke in einem Vergabeverfahren zusammenzufassen, da dann der Verkehrsvertrag im Nahetal (heute vlexx GmbH) ausgelaufen ist. Dies ermöglicht dann eine einheitliche Fahrzeugflotte, so dass weitere umsteigefreie Verbindungen von Kaiserslautern nach Mainz und dann auch nach Frankfurt (bzw. in der Gegenrichtung) angeboten werden können.

Saisonale Angebote im Dahner Felsenland und im Zellertal Bestandteil der Vergabe

Daneben umfasst das Los 2 noch die saisonalen Angebote im regionalen Schienenverkehr auf der südpfälzischen Wieslautertalbahn (Hinterweidenthal ‒ Dahn ‒ Bundenthal) einschließlich der Zubringerfahrten von und nach Landau, Neustadt/W und Karlsruhe sowie im Zellertal mit Fahrten auf der Strecke Monsheim ‒ Marnheim ‒ Kaiserslautern. Damit macht der ZSPNV Süd deutlich, dass er an der erfolgreichen Konzeption der sogenannten Ausflugszüge auf den beiden Strecken festhält und mit positiven Entscheidungen bei der Bewilligung der Fördermittel durch das Land rechnet. Außerdem werden einzelne Züge im Abend- und Nachtverkehr zwischen Mainz und Bingen Teil des Angebots.

Mehrstufiges Vergabeverfahren

Das Vergabeverfahren wird in mehreren Stufen durchgeführt: Mit dem nun gestarteten so genannten Teilnahmewettbewerb können sich interessierte Verkehrsunternehmen für die Teilnahme am eigentlichen Verfahren bewerben. Der ZSPNV Süd hat hierfür eine ausführliche Beschreibung des Projektes veröffentlicht.

Für eine erfolgreiche Zulassung zum eigentlichen Verfahren sind vor allem die fachliche und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachzuweisen. Die Frist für diese Bewerbung endet am 27. Mai 2020.

Anschließend erhalten alle zugelassenen Verkehrsunternehmen Zugang zu den umfangreichen Vergabeunterlagen. Dort werden die Fahrpläne für die einzelnen Strecken, die Anforderungen an die eingesetzten Fahrzeuge und die detaillierten Qualitätskriterien beschrieben.

Nach einer noch festzusetzenden Frist müssen die Unternehmen zuschlagfähige Angebote abgegeben haben. In standardisierten Verhandlungsgesprächen können die Unternehmen eigene Vorschläge zum Fahrplan oder Qualitätskriterien unterbreiten. In der Regel benennen die Unternehmen dabei auch Punkte, die aus ihrer Sicht ineffizient sind und welche bei entsprechenden Änderungen Einsparungen auch bei der öffentlichen Hand bewirken können.

Auf Basis dieser Gesprächsrunden werden dann die endgültigen, für alle Bewerber gleichermaßen verbindlichen, Vergabeunterlagen erstellt. Auf diese geben die Unternehmen dann die endgültigen Preisangebote ab. Wie im öffentlichen Vergabewesen üblich, erhält der Bieter, der den geringsten Zuschuss für die Leistungserbringung fordert, den Zuschlag.

Derzeit werden fast alle der nun neu zu vergebenden Leistungen von DB Regio gefahren. Eine sogenannte Loslimitierung ist nicht vorgesehen, das heißt, dass ein Unternehmen sich auf beide Lose bewerben und diese auch gewinnen kann. Um den Eisenbahner*innen eine sichere Zukunftsplanung zu ermöglichen und zur Wahrung von Arbeitnehmer*innenrechten, muss das gewinnende Unternehmen dem derzeit für diese Strecken eingesetzten Zug- und Leitstellenpersonal in dem von ihm benötigten Umfang ein Beschäftigungsangebot unterbreiten, das den jeweiligen aktuellen Lohn- und Arbeitsbedingungen entspricht. Für die Tarifverträge und somit für die Arbeitsbedingungen insgesamt bleiben jedoch die Tarifpartner, also die Unternehmen und Gewerkschaften zuständig.