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Ganz Deutschland fährt im Takt

Bald soll er kommen, der Deutschland-Takt. Der bundesweite Fahrplan 2030+ steht und soll Ende Juni vorgestellt werden. Rolph hat nachgefragt, wie das aussehen wird, wenn Deutschlands Züge im Takt fahren, und was bis dahin noch zu tun ist.

Deutschland-Takt – Was ist das?
Der Deutschland-Takt ist nicht einfach ein neuer, besser angepasster Fahrplan. „Er verändert den Bahnverkehr in Deutschland grundlegend, denn er ändert erstmals auch die Regeln, nach denen geplant und gebaut wird“, erklärt Bernhard Wewers. Er ist Geschäftsführer des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein GmbH (NAH.SH GmbH) und Mitbegründer der Initiative Deutschland-Takt, die sich seit Jahren für die Einführung eines integralen Taktfahrplans für den gesamten öffentlichen Verkehr in Deutschland einsetzt. „Bisher ging es bei dem Ausbau der Bahn immer darum, zu bauen und dann dazu einen Fahrplan zu konstruieren. Jetzt wird zuerst der Fahrplan gemacht und dann wird geschaut: Was muss man dafür bauen?“

Jede Stunde zur selben Minute
Das Ziel: In regelmäßigen Abständen – alle halbe Stunde oder Stunde – immer zur selben Minute fahren künftig auch die Fernverkehrszüge. Alle Linien sind aufeinander abgestimmt und an bestimmten Bahnhöfen, den Knotenbahnhöfen, treffen sich die Züge immer zur gleichen Minute und warten dort kurz aufeinander, sodass Fahrgäste bequem zwischen allen Linien umsteigen können. 
An diese festen Zeiten kann sich der örtliche Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit seinen Bussen und Straßenbahnen orientieren und daran anpassen – und schon ist Reisen mit Bus und Bahn ganz einfach.

„Das Denken muss sich ändern“
Um dahin zu kommen, bedarf es nichts weniger als einer Revolution: „Das Denken muss sich ändern. Es geht jetzt nicht mehr nur darum, auf einzelnen Strecken möglichst schnell fahren zu können, sondern wir schauen, wo wir nicht genug Kapazität haben, wo die Strecken überlastet sind. Und die Engpässe werden wir beseitigen“, erläutert Bernhard Wewers. „Dadurch bekommen wir ein anderes Netz.“

Bernhard Wewers, Geschäftsführer des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein GmbH (NAH.SH GmbH) und Mitbegründer der Initiative Deutschland-Takt

Die Schweiz als Vorbild
Seit 2008 arbeiten Bernhard Wewers und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter daran, die Idee eines bundesweit abgestimmten Taktfahrplans Wirklichkeit werden zu lassen. Inspiriert hat sie ein Nachbarland: „Die Schweiz ist den gleichen Weg gegangen wie wir – nur viel früher. Es gab 1985 eine Initiative, die hatte die Idee ,Bahn Schweiz 2000‘: An jedem Bahnhof passen die Pläne der Züge zusammen – und auch zu den Bussen. Parallel bekommt der Güterverkehr die notwendigen Trassen.“ 

Das Ziel ist in Sicht
Aber wann wird das in ganz Deutschland so sein? „Wir sind unserem Ziel so nah wie nie zuvor“, ist sich Bernhard Wewers sicher. „2018 hat die Bundesregierung das ,Zukunftsbündnis Schiene‘ mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden gegründet, dessen wichtigstes Anliegen die Einführung des Deutschland-Takts ist. Jetzt stehen wir kurz vor der Verabschiedung eines bundesweiten, abgestimmten Fahrplans für alle“, stellt Bernhard Wewers fest: „Wir haben fast alles erreicht, was man für den Deutschland-Takt braucht. Nun gehen wir in die Diskussion, wie man ihn umsetzen kann.“

Ein Fahrplan für alle
Der „Fahrplan 2030+“ für die Einführung des Deutschland-Takts wird Ende Juni vorgestellt. „Hier ist minutengenau festgelegt, wann welcher Fern- oder Regionalzug an welchem Bahnhof ankommen wird und wann die Güterzüge fahren. Sie können also dort heute schon nachsehen, wann 2030 Ihr Zug in Mainz abfahren wird, wann Sie umsteigen müssen und wann Sie ankommen“, beschreibt Bernhard Wewers die Zukunft. Und auch an den Güterverkehr ist gedacht: „Jede Stunde gibt es feste Slots für den Güterverkehr, freie Trassen im Fahrplan, die die Güterzüge nutzen können. Er ist genauso eingetaktet wie der Personenfern- und -nahverkehr“, ergänzt Bernhard Wewers.

Umgesetzt wird Schritt für Schritt 
Die Umsetzung des Deutschland-Takts wird Schritt für Schritt erfolgen. „Losgehen wird es mit einem Halbstundentakt für die Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Der nächste große Schritt wird dann kommen, wenn der Bahnhof ,Stuttgart 21‘ in Betrieb geht. Dann soll auf allen großen Hauptachsen in Deutschland der Halbstundentakt für den Fernverkehr gelten: Alle halbe Stunde fährt ein ICE“, erklärt Bernhard Wewers. 

Parallel dazu wird an dem Um- und Ausbau von Schienennetz und Bahnhöfen gearbeitet. „Es gibt eine Liste auf Grundlage des Fahrplans, welche Infrastrukturen wann gebraucht werden. Das sind ganz viele große und kleine Schritte und bei jedem Schritt wird sich auch der Fahrplan verändern“, beschreibt Bernhard Wewers das weitere Vorgehen. 

Insgesamt, so heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium, haben die Maßnahmen im Bundesverkehrswegeplan 2030 für den Neu- und Ausbau der Schieneninfrastruktur – und damit auch für den Deutschland-Takt – ein Investitionsvolumen von über 42 Milliarden Euro.  

Der Deutschland-Takt bleibt ein „work in progress“. „Das ist in der Schweiz ja auch so, und zwar seit vierzig Jahren“, meint Bernhard Wewers. „Für das Ziel lohnt es sich: Eine neue Bahn, die regelmäßig und pünktlich fährt und immer Anschluss an den ÖPNV hat. Nach dem Motto: Einfach ankommen!“

Mehr dazu: initiative-deutschlandtakt.de