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Bei dir piept`s wohl. Rolph deckt auf.

Wer öfter mit der Bahn fährt, wird das Geräusch beim Öffnen und Schließen der Fahrzeugtüren kennen. Wozu es dient? Ganz klar! Es zeigt an: „Achtung, hier öffnen oder schließen sich die Türen.“ Das ist erst einmal für alle Passagiere eine wichtige Information, aber besonders sehbehinderte Menschen erfahren durch die akustischen Signale eine zusätzliche Unterstützung in ihrem Mobilitätsverhalten. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019  sind diese akustischen Signale in einigen Fahrzeugen lauter als bisher, was von vielen Menschen als störend empfunden wird. Rolph hat nachgefragt und herausgefunden, woran das liegt.

 

Verantwortlich ist eine Europäische Richtlinie namens TSI PRM. Die Abkürzung TSI steht für „Technische Spezifikation für die Interoperabilität“ und die Abkürzung PRM für „Personen mit eingeschränkter Mobilität“. Die Richtlinie regelt verschiedene Belange, unter anderem die von behinderten Menschen in Schienenfahrzeugen. Bei neu zugelassenen Fahrzeugen sieht die Richtlinie vor, dass beim Öffnen und Schließen der Tür ein Signalton in der Lautstärke ertönen muss, der sehbehinderte Menschen auf diesen Vorgang aufmerksam macht. Das ist eine gute Sache, denn in Deutschland leben etwa 10 Millionen Menschen mit kognitiven, körperlichen und Sinnesbehinderungen, denen das Signal die Chance einer selbstbestimmten und sicheren Mobilität ermöglicht.

Wie bei jeder guten Richtlinie besteht auch die TSI PRM aus konkreten Vorgaben, weshalb sowohl die Frequenz als auch die Lautstärke von 70 Dezibel vorgeschrieben sind. Deutschland kam noch bis 2018 in den Genuss einer Ausnahmeregelung, wonach 60 Dezibel ausreichten. Seitdem diese Ausnahmeregelung ausgelaufen ist, müssen neue Fahrzeuge nun aber zwingend die Lautstärke von 70 Dezibel erfüllen. 10 Dezibel mehr bedeuten einen etwa 8-fach höheren Schalldruckpegel, was für den Menschen als Verdoppelung der Lautstärke wahrgenommen wird. Dieser Schalldruckpegel wird von vielen Menschen als sehr unangenehm und störend empfunden. Die Verkehrsunternehmen bedauern das, sind hier jedoch zur Umsetzung verpflichtet. Alle neuen Fahrzeuge müssen diese Richtlinie zwingend erfüllen. Eine Änderung der Lautstärke oder der Frequenz würde zu einem Verlust der Zulassung führen, ältere Fahrzeuge stehen jedoch unter Bestandsschutz und müssen nicht nachgerüstet werden. 

Die gute Nachricht: Der Gedanke dahinter! Die Teilhabe an Mobilität soll allen Menschen ermöglicht werden, und das möglichst sicher. Vielleicht hilft uns dieses Wissen – und etwas Abstand zur Tür –, um zukünftig besser mit dem Signalton an den sich öffnenden und schließenden Türen auszukommen.