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Für ein sicheres Gefühl: Bodycams in der MittelrheinBahn

Um die Sicherheit aller Fahrgäste sowie Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer zu erhöhen, werden in den Zügen der MittelrheinBahn Bodycams eingesetzt.

Sicherheit ist ein persönliches Gefühl jedes Einzelnen. Oft ist die gefühlte Sicherheit ausschlaggebend dafür, ob öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden oder nicht – und wird damit zu einem wichtigen Anliegen für die Verkehrsverbünde. Um das Sicherheitsgefühl zu stärken, lief bei Trans Regio ein Pilotprojekt mit sogenannten Bodycams für Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer. Deutschlandweit war das Projekt in einem Verkehrsunternehmen einmalig. In allen anderen Anwendungsfällen erfolgte der Einsatz von Bodycams bisher durch Sicherheitsdienste und Polizeikräfte. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, da die Anzahl kritischer Vorfälle deutlich zugenommen hatte. Der Einsatz der Kameras soll die Mitarbeitenden bei Auseinandersetzungen im Dienst vor Übergriffen schützen, deeskalierend wirken und auch gegen Sachbeschädigungen und Vandalismus vorbeugen.

Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kundenbetreuung trugen ab 19 Uhr in den Zügen der MittelrheinBahn zwischen Mainz, Koblenz und Köln eine leuchtend gelbe Warnweste mit einer kleinen Videokamera. Aufzeichnungen mit Bodycams erfolgen ausschließlich, wenn es im Gefahrenfall als notwendig erachtet wird. Mit Signalton und Lichthinweis machen sie auf das Einschalten der Kamera aufmerksam.

Das Pilotprojekt bei Trans Regio startete im Juni 2019 und wurde dann aufgrund der Coronapandemie und der notwendigen Abstandshaltung des Prüfpersonals zu den Fahrgästen ausgesetzt. Ab dem 20. August 2021 wurde das Pilotprojekt wieder aufgenommen und läuft ab sofort dauerhaft: Erst mit einem Mitarbeiter, sukzessive sollen dann immer mehr folgen.

Datenschutz hat oberste Priorität

Bis das Projekt tatsächlich an den Start ging, gab es einen langen Weg zurückzulegen. Die Teamleiterin im Zugservice und Beauftragte für „Sicherheit im und am Zug“ Yvonne Mai hatte die Leitung des Projekts übernommen. Der Datenschutz hatte dabei stets oberste Priorität: Zunächst musste die Datenschutzbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz sowie die Landesdatenschutzbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen davon überzeugt werden, dass Bodycams wichtig und nützlich für Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer sind.

Dann wurde in Zusammenarbeit mit dem Transdev-Datenschutzbeauftragten eine Datenschutzfolgeabschätzung erstellt, mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen und weitere Verträge unterzeichnet. Nach Festzurren der Rahmenbedingungen wurde das technische Equipment bei der NetCo Professional Services GmbH in Sachsen-Anhalt besorgt und es konnte losgehen.

Einsatz nur nach Ankündigung

Die Mitarbeitenden, die sich zum Test des Bodycam-Einsatzes bereit erklärt hatten, erhielten eine ausgiebige Schulung zum Umgang mit den Geräten. Während der Fahrt befindet sich die Bodycam im Stand-by-Modus – sie wird erst, je nach Bedarf, in brenzligen Situationen mit einem Tipp auf den Touchscreen aktiviert. Der Fahrgast kann sich dann auf dem Display sehen, die Kamera zeichnet allerdings noch nicht auf. Erst, wenn die Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer einen weiteren Knopf drücken und dem Gast signalisieren, dass sie aufnehmen, wird tatsächlich aufgezeichnet. Die Kamera sollte eine optimale Kombination aus Größe, Gewicht, Widerstandsfähigkeit und Batterielebensdauer aufweisen, um ein angenehmes Tragegefühl zu geben und gleichzeitig auch in schlecht beleuchteten Situationen gute Aufnahmen zu machen.

Entsprechende Aufnahmen können unter bestimmten Auflagen im Nachgang zur Rekonstruktion und Aufklärung von Straftaten ausgewertet werden. Die Daten werden jedoch nur gesichtet und gespeichert, wenn die Bundespolizei diese Aufzeichnungen für strafrechtliche Ermittlungen als relevant einstuft. Das bedeutet, dass die betroffenen Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer oder bei Sachbeschädigungen das Unternehmen zwingend vor einer Auswertung eine Anzeige erstatten oder einen Strafantrag stellen muss. Bisher wurde nur eine Aufnahme aus dem Jahr 2019 von der Bundespolizei Köln angefordert. Dabei ging es um eine Massenschlägerei in einem Zug der MittelrheinBahn. Dank der Aufnahmen konnte der Ermittlungsbehörde geholfen werden, die Täter zu finden.

Fahrgäste zeigen Interesse

Die Reaktionen der Fahrgäste variieren von Neugierde über Skepsis bis hin zu Verständnis und Zuspruch. Eine Plakatkampagne mit dem Slogan „Denn drei Augen sehen mehr“ wies bereits über längere Zeit auf das Projekt in den Zügen hin und sensibilisierte die Fahrgäste dafür. Erstes Feedback vermittelt außerdem, dass sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Fahrgäste sich durch die Bodycams sicherer fühlen und anders verhalten würden.