Zurück nach oben scrollen

Das Comeback der Nachtzüge

Alternativ verreisen: klimaschonend, bequem, zeitsparend und nicht so teuer. Das wünschen sich viele Menschen. Denn das Fliegen, gerade über kurze Strecken, steht stark in der Kritik. Die Deutsche Bahn hält jetzt mit einem Comeback-Angebot dagegen, das nicht nur für Klimaschützer interessant ist: Ab Dezember 2021 fahren wieder mehr Nachtzüge. Welche Verbindungen es aktuell gibt und wie das mit dem Nachtzug funktioniert, zeigt dir Rolph.

Foto: ÖBB

Abends einchecken, morgens ausgeruht ankommen – Beinfreiheit inklusive:

Das ist das Konzept, mit dem die Deutsche Bahn Fernreisende für sich gewinnen will. Sei es entweder mit DB-eigenen Nacht-ICEs/-ICs/-ECs oder mit Zügen anderer europäischer Eisenbahnunternehmen. Zu den bestehenden Nachtzug-Verbindungen werden nun achtzehn Verbindungen von den Kooperationspartnern der Deutschen Bahn zusätzlich angeboten. Amsterdam, Paris, Berlin, Stockholm und Rom sind, neben vielen anderen, bequem per Schlaf- und Liegewagen über Nacht zu erreichen. Die längste neue Nachtzug-Verbindung führt von Paris über Frankfurt am Main, Berlin, Warschau und Minsk nach Moskau. Sie wird ab Dezember 2022 vom russischen Bahnunternehmen RZD bedient. Nach Zagreb und Rijeka geht es mit dem kroatischen Nachtzug im Schlaf- oder Sitzwagen, nach Zagreb auch im Liegewagen. Der Nachtzug in den Süden fährt täglich ab und nach München, allerdings nur in der Sommersaison. 

Vorwiegend innerdeutsch, aber nicht nur, fahren die DB-eigenen Nachtzüge. Langstrecken-Klassiker sind dabei die Verbindungen München–Nürnberg–Hamburg, München–Stuttgart–Berlin, aber auch die Verbindungen von Dortmund nach München oder von Bonn/Köln nach Berlin

Die neuen Nightjets

Zusätzlich sollen bis 2024 vier neue Nightjet-Linien hinzukommen und damit insgesamt dreizehn europäische Metropolen über Nacht miteinander verbinden. 

  • Wien–München–Paris sowie Zürich–Köln–Amsterdam
  • Zürich–Rom (nicht über Deutschland)
  • Wien/Berlin–Brüssel/Paris 
  • Zürich–Barcelona (nicht über Deutschland)

Welchen Komfort gibt es?

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten, über Nacht zu reisen: Das eine sind die Nachtzug-Verbindungen mit den gewohnten ICs, ICEs oder ECs, zum anderen gibt es Züge mit Schlaf- und Liegewagen. 

In den Nacht-ICEs/-ICs/-ECs gibt es die gleiche Ausstattung und es gelten dieselben Beförderungsbedingungen für Gepäck und Fahrräder wie im Tagesverkehr. Das bedeutet zum Beispiel: Anders als im Flugzeug gibt es keine Beschränkungen, wie viel Gepäck man mitnehmen darf. Du kannst sogar dein Fahrrad in allen IC- und EC-Zügen sowie auf ausgewählten Verbindungen im ICE mitnehmen. Dazu brauchst du eine eigene Fahrradkarte und eine Reservierung. Auf einigen Zügen ist das Bistro/Restaurant zu Beginn und am Ende der Fahrt für einen Abendsnack beziehungsweise ein Frühstück geöffnet. 

Die Züge mit Schlaf- und Liegewagen werden von den europäischen Partnern der Deutschen Bahn betrieben, die Deutsche Bahn selbst hat keine eigenen Schlafwagen mehr. Neben den Schlafmöglichkeiten bieten die meisten Nachtzüge auch Sitzgelegenheiten an. Wie die Abteile ausgestattet sind und welche Mitnahmemöglichkeiten es zum Beispiel für Fahrräder, Motorräder oder das Auto gibt, ist ganz unterschiedlich und hängt vom jeweiligen Bahnunternehmen ab.

Die Nightjets der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) zum Beispiel haben Sitzwagen, Liegewagen und Schlafwagen mit verschiedenen Komfortangeboten. Am günstigsten sind natürlich die Sitzplätze. Wer als Familie oder in einer Gruppe mit bis zu drei Personen unterwegs ist, kann in vielen Nightjet-Zügen ein eigenes Sitzwagenabteil zum Pauschalpreis buchen. In den Sitzwagen gibt es Wasch- und Toilettenräume. 

Die Liegewagen im Nightjet haben vier beziehungsweise sechs Liegen, können von bis zu sechs Personen (darunter maximal drei Erwachsene) als Privatabteil oder von bis zu vier Personen (maximal drei Erwachsene) als Privatabteil „Comfort“ gebucht werden. Es gibt Decken, Laken und Kissen sowie Wasch- und Toilettenräume im Wagen. Im Preis inklusive ist ein „Wiener Frühstück“. Wem nach mehr gelüstet, der kann sich Getränke und Snacks bringen lassen. 

Am gemütlichsten ist natürlich die Reise im Schlafwagen, auch im Nightjet. Die Wagen sind als Single-, Double- oder Triple-Abteil buchbar, haben zumindest eine Waschgelegenheit im Abteil, in der Deluxe-Variante sogar ein eigenes Duschbad und WC. Frühstück gibt es à la carte und auf Wunsch werden Snacks und Getränke am Platz serviert.  

Je nach Bahnunternehmen kannst du – wie beim Nightjet – auf bestimmten Verbindungen dein FahrradAuto oder Motorrad im Zug mitreisen lassen – eigenes Ticket und Reservierung vorausgesetzt.

Preise

In den Nacht-ICEs/ICs gelten die Super-Spar-, Spar- und Flex-Preise genau wie tagsüber. Die Nachtverbindungen sind dabei in der Regel deutlich günstiger als die Verbindungen am Tage. BahnCards und DB-Monatskarten (ICE/IC/EC) werden für die Fernverkehrsprodukte anerkannt.

Bei den europäischen Nachtzügen wird die Anerkennung der deutschen Rabatt-Karten unterschiedlich gehandhabt. In der Regel werden aber die BahnCards für die buchbaren Strecken mit Start oder Ziel in Deutschland angerechnet.

Buchen

Die Deutsche Bahn bietet mit ihrem internationalen Buchungssystem www.international-bahn.de alle Tickets für die Fahrt in einem Buchungsvorgang an. Das System berücksichtigt auch Vergünstigungen wie die BahnCards und ausländische Rabattkarten. Nachtzüge sind ausgewiesen, aber nicht explizit suchbar. 

Wer allerdings schon weiß, mit welchem Bahnunternehmen er fahren möchte, kann sich auch unmittelbar an das entsprechende Partner-Unternehmen wenden. Der Nightjet zum Beispiel, der sehr viele der Nachtstrecken mit Schlafwagen in Deutschland bedient, ist direkt über www.nightjet.com/de zu buchen. 

Sicher fühlen

Für Alleinreisende haben die Nachtzüge besondere Angebote: Die Nightjets der ÖBB haben im Liegewagen eigene Damen-Abteile. Bei der ungarischen MÁV-START ebenso wie im kroatischen Nachtzug der HZPP und dem russischen RZD-Nachtzug werden die Einzelplätze in den Abteilen der Schlafwagen getrennt nach Geschlechtern vergeben.

Und noch was: Alle Abteile sind in der Regel verschließbar.

Weitere Informationen