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E-Scooter in Rheinland-Pfalz

Bonbonbunt und wieselschnell: Seit letztem Sommer sind sie unterwegs, die E-Scooter oder im Behördendeutsch: Elektrokleinstfahrzeuge (EKF). 2019 trat die Verordnung in Kraft, die es den Elektro-Tretrollern ermöglicht, am Straßenverkehr teilzunehmen. In etlichen Städten in Deutschland bieten E-Roller-Vermieter seither ihre kleinen Flitzer zur Ausleihe an. Wie ist es in Rheinland-Pfalz? Sind die E-Scooter auch hier angekommen und angenommen? Rolph hat nachgeschaut.

Sie sind nicht zu übersehen, die E-Scooter. Jedenfalls nicht in Mainz, Ludwigshafen und Kaiserslautern. Denn hier haben diverse E-Scooter-Verleiher ihre Gefährte aufgestellt. Sie haben lyrische Namen wie Wind, Bird, Lime oder Tier und sind angetreten, die Fortbewegung in den Städten per Elektro-Mikro-Mobilität zu revolutionieren.

3.000 E-Scooter im Verleih

Zurzeit sind in den drei rheinland-pfälzischen Großstädten knapp 3.000 Leih-E-Tretroller unterwegs, die meisten davon in Ludwigshafen. Die Stadt hat auch die meisten Anbieter vor Ort, auch wegen der Nachbarschaft zur Zwillingsgroßstadt Mannheim. Hier sind die Verleiher Tier, Bird und Lime unterwegs, der Anbieter Zeus will demnächst mit 50 eigenen Fahrzeugen dazustoßen.

Zusammenarbeit durchweg gut

Die Stadt Ludwigshafen hat – wie auch Mainz und Kaiserslautern – Vereinbarungen mit den E-Scooter-Verleihern geschlossen, die unter anderem Mindestqualitätsstandards für den Betrieb beschreiben und Zonen benennen, in denen die E-Tretroller nicht abgestellt werden dürfen. Diese freiwillige Selbstverpflichtung der Anbieter wird von den Städten sehr geschätzt. „Die Verleiher sind gut zu erreichen und bemüht, Probleme abzustellen“, stellt Nadin Robarge von der Stadtverwaltung Kaiserslautern fest.

Umweltengel?

Aber wie steht es um die Umwelt- und Klimafreundlichkeit des E-Scooter-Sharings? Schließlich sollen die E-Tretroller laut Anbieter die viel beschworene „letzte Meile“ zwischen Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) und individuellem Ziel schließen und so die Verkehrswende mitgestalten.

Belastbare Daten für Rheinland-Pfalz gibt es dazu nicht. So liegen der Landeshauptstadt Mainz, erklärt Pressesprecher Marc André Glöckner, „leider noch keine aussagekräftigen Zahlen der Anbieter vor, die belegen, dass durch die Nutzung von E-Scootern auch Wege bewältigt werden, die ansonsten mit dem Pkw zurückgelegt worden wären“.

Die Vermutung liegt für viele nahe, dass es sich doch eher um einen Fun-Artikel denn um ein ernsthaft benötigtes Verkehrsmittel handele. So bescheinigt die Stiftung Warentest, die die Miet-Scooter einem akribischen Test unterzogen hat, diesem neuen Verkehrsmittel eine eher bescheidene Umweltbilanz. Insbesondere das nächtliche Einsammeln, Aufladen und morgendliche Verteilen „versaut die Umweltbilanz“, stellen die Tester mit Berufung auch auf eine wissenschaftliche Untersuchung der North Carolina State University fest.

Ob Umweltengel oder Spaßartikel – die kleinen Flitzer sind beliebt: „Der aktuelle Bericht zeigt für den Monat August knapp 26.000 Ausleihen und damit einen neuen Höchststand für Kaiserslautern“, erklärt Nadin Robarge von der Stadtverwaltung Kaiserslautern, wo der E-Scooter-Sharer Tier seit Ende 2019 seine Geräte verleiht.

Was sagen die Nutzer und Nutzerinnen zum Thema E-Scooter? Rolph hat nachgefragt:

Das Problem mit dem Abstellen

Tatsächlich ist es die Diskussion um die Nutzung des öffentlichen Raums, die die schärfsten Kritiker des E-Scooter-Sharings auf den Plan ruft. Quer geparkte E-Tretroller auf engen Gehwegen, umgefallene oder umgestoßene Gefährte am Straßenrand, blockierte Fahrradwege und zugestellte Ausfahrten ließen den Ärger insbesondere von Fußgängern, Kinderwagenschiebern, Rolli- oder Radfahrern hochkochen. „Gerade zu Beginn des E-Scooter-Verleihs in Mainz kam es zu zahlreichen Beschwerden bezüglich falsch beziehungsweise behindernd abgestellter E-Scooter. Die Situation hat sich inzwischen leicht verbessert, ist jedoch immer noch stark verbesserungswürdig“, berichtet Marc André Glöckner über die Lage in Mainz.

Fehlende rechtliche Regelungen

Angefeuert wird die Situation durch fehlende rechtliche Regelungen. Wo jeder Biergartenbetreiber eine Sondernutzungsgenehmigung vorweisen muss, brauchen E-Scooter-Verleiher keine Genehmigung für ihre abgestellten Kleinstfahrzeuge. „Durch den fehlenden Rechtsrahmen verfügt die Landeshauptstadt Mainz über keine rechtlich verbindliche Durchgriffsmöglichkeit gegenüber den Verleihfirmen und kann in vielen Fällen nicht gegen durch E-Tretroller verursachte Störungen im öffentlichen Raum vorgehen“, bemängelt Marc André Glöckner daher.

Bitte Rücksicht nehmen!

Gemeinsam ist so allen Städten der Wunsch, „Rücksicht beim Abstellen der Scooter walten zu lassen“, wie Nadin Robarge von der Stadtverwaltung Kaiserslautern es formuliert.

Hätten sie einen Wunsch frei, dann würde Ludwigshafen sich von den Anbietern wünschen, „die Zahl der ausgebrachten E-Tretroller zu überdenken“, so Ulrike Heinrich. „Teilweise stehen einfach zu viele E-Tretroller im öffentlichen Raum.“

Die Städte dürfen hoffen: E-Scooter-Verleiher Tier hat angekündigt, in Kaiserslautern und Ludwigshafen künftig selbst dafür zu sorgen, dass die Roller ordentlich abgestellt werden: Ab sofort patrouillieren Fußstreifen durch die Stadt, die an Verkehrsknotenpunkten und in stark frequentierten Gebieten falsch abgestellte E-Tretroller umparken.

„Potenzial nutzen“

Die Initiative „Agora Verkehrswende“, die für Städte und Kommunen eine Handlungsempfehlung zum Umgang mit Leih-E-Scootern erarbeitet hat, sieht die positiven Seiten. „Einer der zentralen Vorteile von Elektrokleinstfahrzeugen liegt auf der Hand: Sie sind elektrisch und klein.“ Da sie auch noch leicht seien, „sind sie im Vergleich zu anderen motorisierten Fahrzeugen besonders effizient“. Der Bericht empfiehlt „ein steuerndes Eingreifen der Kommunen“, um die „Potenziale“ der Leihroller „zukünftig nutzen zu können“.

Hilfreich, so das Fazit der Initiative, seien dabei „empirische Untersuchungen der mittel- und langfristigen Wirkungen von Leihrollersystemen“, die auch zur „Anpassung des Rechtsrahmens herangezogen werden“ könnten.

Perspektive Verknüpfung mit Bus und Bahn

Die rheinland-pfälzischen Städte können mittlerweile auf eine ordentliche Menge an Erfahrungen zurückblicken. Die gute Zusammenarbeit mit den Verleihern soll auch genutzt werden, um die Mikromobilität der Elektrokleinstfahrzeuge sinnvoll in die städtische Verkehrsplanung einzubinden. So will Kaiserslautern gemeinsam mit den Sharing-Unternehmern die „Standorte für die sogenannte erste beziehungsweise letzte Meile – also zur Haltestelle oder zur Arbeitsstelle“ prüfen und erweitern, erklärt Nadin Robarge.

Dieses Vorgehen empfiehlt auch der Thinktank „Agora Verkehrswende“. Er wünscht sich eine „formelle Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und Leihanbietern“, um „die Leihrollerangebote zukünftig auch in der Fläche verfügbar zu machen und gerade dort stärker mit dem ÖPNV zu verknüpfen“. So könnte aus dem kleinen, bunten Flitzer ein ernst zu nehmender Verkehrsteilnehmer werden.

Darf ich den E-Scooter mit in den Bus oder die Bahn nehmen?

Ob der E-Scooter mit in Bus und Bahn darf, wird jeweils durch das zuständige Verkehrsunternehmen geregelt. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN), der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ebenso wie der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) haben eine Vereinbarung mit den Sharing-Unternehmen abgeschlossen. Die kleinen E-Tretroller bis maximal 15 Kilogramm werden wie Fahrräder behandelt und dürfen grundsätzlich kostenlos mitfahren – falls genug Platz ist. Im zusammengeklappten Zustand gelten sie als Handgepäck. Geladen werden dürfen sie in den Bussen oder Bahnen aber nicht.
 

Das zeichnet einen E-Scooter aus:

  • Kein Sitz
  • Leistung maximal 500 Watt
  • Breite/Höhe/Länge maximal 70/140/200 Zentimeter
  • Maximale Fahrzeugmasse 55 Kilogramm
  • Höchstgeschwindigkeit 20 Kilometer/Stunde
  • Mindestanforderungen an Licht und Bremsen

Für die Fahrzeuge besteht Versicherungspflicht.

E-Scooter benötigen eine Allgemeine Betriebserlaubnis.

Das Mindestalter für die Nutzung beträgt 14 Jahre (Führerschein nicht erforderlich).
 

Richtig E-Scooten: Was geht, was geht gar nicht?

  • E-Scooter gehören auf den Radweg. Busspuren, Gehwege oder Fußgängerzonen sind tabu.
  • Gibt es keinen Radweg, dann dürfen E-Scooter auf die Straße.
  • Alkohol und Fahren geht gar nicht. Auch nicht mit E-Scooter. Es gelten die gleichen Regeln wie fürs Auto.
  • Pro Roller eine Person – fahren zu zweit ist verboten.
  • Helm tragen ist nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll.
  • Zum Parken gibt es Zonen, die in der App ausgewiesen sind. Ansonsten gilt die Grundregel: Einfach so parken, dass niemand behindert wird.

     

Linktipp: 

Wie geht E-Scooter-Leihen?

Die Videos von COMPUTER-BILD-Redakteur Christian Hensen zeigen beispielhaft an E-Tretrollern von Tier und Lime wie das Ausleihen funktioniert.