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Easy radeln – Alles über E-Bikes

Verkehrswende kann man ganz einfach selber machen: das Auto stehen lassen und ab aufs Rad. Wenn jetzt die Sonnentage wieder häufiger werden, bietet sich diese Möglichkeit erst recht an. Und kräftezehrend und schweißtreibend muss es auch nicht sein: Es gibt ja das E-Bike. Was du schon immer über E-Bikes wissen wolltest.

E-Bike-Fahren liegt voll im Trend. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) vermeldet Verkaufs-Rekorde bei E-Bikes. Und die Biker stehen Schlange vor den Fahrradläden. In Rheinland-Pfalz hat schon fast jeder Sechste ein Elektrorad: Das Land ist beim E-Bike-Besitz-Ranking der Bundesländer auf Platz 2. Wenn du da jetzt auch mitmachen möchtest: Rolph hat für dich nachgeschaut, was beim Thema E-Bike zu beachten ist und was du alles mit dem neuen Rad machen kannst.

 

E-Bike oder Pedelec?

Unter E-Bikes versteht man meist alle Räder mit Elektromotor. Rechtlich gibt es aber Unterschiede: Die bei uns verbreiteten Pedelecs (Pedal Electric Cycles), die nur dann Motorunterstützung (bis maximal 25 Kilometer pro Stunde) liefern, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, gelten als Fahrrad und sind nicht zulassungspflichtig. E-Bikes im engen Sinne fahren auch ohne Pedalunterstützung und sind damit zulassungs- und versicherungspflichtig. Sie sind aber in Deutschland kaum verbreitet. Daneben gibt es aber auch noch Pedelecs, deren Elektromotor erst bei 45 Kilometer pro Stunde abgeschaltet wird. Diese S-Pedelecs gelten nicht als Fahrrad, für sie braucht es daher eine Zulassung, eine Versicherung und einen Führerschein, und es gilt die Helmpflicht.

Doch fast alle Elektroräder, die in Deutschland unterwegs sind, sind klassische Pedelecs, umgangssprachlich durchgesetzt hat sich auch für sie die Bezeichnung E-Bike. Neben dem komfortablen E-Cityrad für die alltäglichen kurzen Wege gibt es auch vielseitige E-Trekking- und E-Tourenräder, sportliche E-Mountainbikes und E-Rennräder, aber auch E-Lastenräder für den Transport.  

Für was du dich entscheidest und was am besten zu dir passt, hängt ganz davon ab, für was du dein E-Bike brauchst und wie du es verwenden willst. Was wichtig ist und was du dir vor dem Kauf überlegen solltest, dafür hat Rolph ein paar Tipps.
 

Wie weit komme ich mit einem E-Bike?

Die Reichweite deines neuen E-Bikes ist ein großes Thema. Die Antwort auf die Frage, wie weit man mit dem Fahrrad kommt, ist nicht trivial und auch nicht pauschal zu beantworten. Zwar gibt es Herstellerangaben zu deinem Wunschrad, aber wenn diese Angaben auf die Realität treffen, kommen Faktoren wie

  • aktuelle Temperatur,
  • dein Fahrstil, aber auch
  • dein Gewicht und das deines Gepäcks sowie natürlich
  • die Steigung des Geländes und
  • die Bodenverhältnisse hinzu.

Pi mal Daumen kannst du im Schnitt mit etwa der Hälfte der angegebenen Reichweite rechnen. Im Internet gibt es mittlerweile Reichweitenrechner, zum Beispiel von Bosch , mit dem du annäherungsweise deine nächste größere Tour planen kannst. Für Kurztrips in die City ist das nicht nötig – dafür reicht es immer.
 

Welche Akku-Typen gibt es?

Am weitesten verbreitet sind mittlerweile Lithium­Ionen­ und Lithium­Polymer­Akkus. Bei diesen Akkus gibt es keinen Memory-Effekt und es schadet daher nicht, sie teilweise aufzuladen. Im Gegenteil. Am besten geht es diesen Akkus bei einer Ladung von 20 bis 80 Prozent. Das Gleiche gilt auch für Nickel-Metallhydrid­Akkus, nicht aber für Nickel-Cadmium­Akkus. Bei Letzteren solltest du die Teilaufladung vermeiden.

Akkus werden an unterschiedlichen Stellen am Rad verbaut:

  • Der Rahmenakku ist am Unter- oder Sattelrohr verbaut. Das hat den Vorteil, dass das Bike einen tiefen Schwerpunkt hat, der Akku kompakt ist und daher einfach im Rucksack transportiert werden kann.
  • Bei teil- oder vollintegrierten Akkus kann man kaum erkennen, dass es sie gibt. Mit dem vollintegrierten Akku sind die Räder allerdings schwerer, da mehr Material verbaut werden muss, um die Öffnung im Unterrohr auszugleichen. Die semiintegrierten Akkus haben diesen Nachteil nicht, brauchen allerdings wegen des Deckels oder der Verkleidung einen breiteren Rahmen.
  • Die einfachste und meist auch preisgünstigere Lösung ist der Gepäckträger-Akku. Der Haken hier ist die ungünstigere Gewichtsverteilung auf dem Rad.

Bei neuen E-City- und E-Trekking-Rädern haben die Akkus in der Regel eine Kapazität zwischen 400 und 625 Wattstunden. E-Rennräder brauchen weniger, E-Mountainbikes eher mehr Wattstunden. Aufladen lassen sich die Akkus an einer ganz normalen Haushaltssteckdose. Die Voll-Ladezeit beträgt etwa 3,5 bis 4,5 Stunden (bei Standard-Charger mit 4 Ampere für 400 beziehungsweise 500 Wattstunden).

Wichtig: Du solltest hier besonders auf Qualität achten. Denn der Akku ist das Herz deines E-Bikes, und das ist nur so gut wie seine Batterie.

Und noch ein Tipp: Akkupflegen! Es ist wie mit allem: Wenn du deinen Akku hegst und pflegst, dann kannst du dich auch über eine lange Lebensdauer freuen. Und sicherer ist das auch. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat dafür eine kleine Broschüre zusammengestellt mit wirklich hilfreichen Infos.


Aufs Handling achten

Nicht ganz unwichtig ist aber auch, wie einfach sich das Rad bedienen lässt. Dazu solltest du unbedingt eine Probefahrt mit deinem Wunschrad machen und auf Folgendes achten:

  • Wo liegt der Schwerpunkt des Rads?
  • Wie ist es mit der Beschleunigung?
  • Wie ist das Kurvenverhalten?
  • Ist für dich ein tiefer Einstieg wichtig?
  • Wie schwer ist das Rad? Kannst du es im Notfall auch ein Stück tragen?

Daneben gibt es auch noch Fragen, die für den Komfort wichtig sind. Hier kannst du dein Rad eventuell auch individuell anpassen lassen:

  • Ist das Display okay und übersichtlich?
  • Ist der Sattel bequem – auch nach ein paar Kilometern?
  • Brauche ich einen Gepäckträger und vielleicht noch Satteltaschen?

Überlege dir, für was du das Rad brauchst und was dir bei der Benutzung wichtig ist. Mach dir eine kleine Liste und nimm sie mit zur Probefahrt.

Sicherheit ist wichtig

Ein E-Bike ist zwar ein Fahrrad, fühlt sich aber nicht unbedingt so an. Gewöhnungsbedürftig ist auf jeden Fall die Beschleunigung, das Kurvenverhalten, das Gewicht des E-Bikes und das deutlich griffigere Bremsverhalten. Um hier auf der sicheren Seite zu sein, hilft üben, üben und üben.

Mittlerweile gibt es auch Organisationen, die spezielle Sicherheitstrainings für Pedelec-Fahrer und -Fahrerinnen anbieten wie zum Beispiel der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) oder der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) – jedenfalls wenn Corona es zulässt.

Sicherheit ist aber auch für das E-Bike selbst gut. Bevor du es dir zulegst, überlege, ob und wo du einen guten und sicheren Stellplatz für dieses Rad hast. Spare nicht am Fahrradschloss. Der potenzielle Fahrraddieb spart auch nicht an seinem Equipment.
 

Was kostet ein E-Bike?

Zum Thema Kosten gibt es eine einfache Antwort: je nachdem. Klar ist, man kann sehr viel Geld für ein E-Bike ausgeben. Bei einem superleichten, edlen E-Bike kann der Preis durchaus auch fünfstellig werden. Die meisten City- und Trekking-E-Bikes werden aber im Segment 2.000 bis 3.500 Euro gekauft. Dafür bekommt man ein solides, brauchbares E-Bike. Wird es viel günstiger angeboten, sollte man vorsichtig sein und die Gründe erkunden.

Mit dem E-Bike on Tour

Klar, dass du das E-Bike nicht nur für den Einkauf um die Ecke nehmen möchtest. Schließlich hat es einen Elektromotor und kann auch mehr. Deshalb ist es eine wunderbare Idee, mit dem E-Bike dahin zu fahren, wo’s schön ist.

Bevor du die erste größere Tour unternimmst, solltest du ein paar Dinge klären – zum Beispiel, ob dein Akku reicht. Wie gesagt, hilft dabei zum Beispiel ein Reichweitenrechner (siehe oben) oder der Rückgriff auf deine Erfahrungen.

Wenn es länger werden soll, überprüfe, wo du deinen Akku unterwegs aufladen kannst. In Rheinland-Pfalz gibt es schon viele öffentliche E-Bike-Ladestationen an Bahnhöfen oder an Stationen entlang der Radwege, die du zum Beispiel über die regionalen Tourismusverbände im Internet finden kannst, wie hier für Ausflüge in die Pfalz

Ein sehr schönes Feature sind auch die RadBusse, die nicht nur dich, sondern auch dein Rad mitnehmen. Eifel, Hunsrück, die Landschaften entlang von Mosel, Ruwer, Ahr und Sauer kannst du so erkunden, ohne stressige Gedanken an den Rückweg zu verschwenden. Die Fahrt mit dem RadBus kannst du vorab buchen. Wie die RadBusse funktionieren, erzählt euch Laura im Video Laura und die RadBusse.

Wo, wie und wann die RadBusse unterwegs sind, findest du im Internet auf der neu gestalteten Website www.radbusse.de. Übrigens: Die diesjährige RadBus-Saison startet am 1. April und läuft bis 1. November.
 

Ist ein E-Bike besser als ein Rad?

Aus Klimaschutzsicht liegen die Vorteile des E-Bikes auf der Hand, konstatiert das Umweltbundesamt. Im Vergleich zum Fahrrad wird die tatsächlich gefahrene Reichweite von durchschnittlich 5 Kilometern auf 10 bis 20 Kilometer erweitert und deckt somit einen Großteil der alltäglich nötigen Strecken komplett ab. E-Bikes helfen dabei, Höhen und Entfernungen einfach zu meistern, und erleichtern den Transport von Gepäck. Für viele Gelegenheiten ist der Einsatz eines E-Bikes optimal – und ressourcenschonend: Für eine Strecke von 10 Kilometern benötigt ein E-Rad nur etwa so viel Energie, wie man verbrauchen würde, um 0,7 Liter Wasser bei Raumtemperatur zum Kochen zu bringen.

Die Öko-Bilanz im Vergleich zum Auto ist noch besser: E-Räder sind leise und verursachen deutlich weniger CO2-Emissionen, Feinstaub und Stickstoffoxide als Autos. Und bereits nach durchschnittlich 165 Kilometern, die man mit dem E-Rad statt mit dem Auto fährt, sind die CO2-Emissionen des Akkus ausgeglichen, hat das Umweltbundesamt festgestellt. Wird auch noch Öko-Strom zum Laden genutzt, fällt die Bilanz noch besser aus.

Die Umweltbilanz wird allerdings durch die Rohstoffgewinnung für die Herstellung der Batterien getrübt. Hoher Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz und Landschaftszerstörung sind immer noch häufige Begleiterscheinungen des Abbaus von Lithium, das auch Grundlage vieler E-Bike-Akkus ist. Umso wichtiger ist es, dass du deinen ausgedienten Akku richtig entsorgst: Also nie in den Hausmüll werfen, sondern an den Händler zurückgeben oder beim Wertstoffhof abgeben. Nur so können die Akkus recycelt und der Rohstoffverbrauch dezimiert werden.

Und aus Nutzersicht? Da gibt es die Abstimmung an der Ladenkasse: Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 43,4 Prozent mehr E-Bikes verkauft als im Rekordjahr 2019. Entscheidend hierbei: Nicht nur die sonst übliche fahrradaffine junge Klientel setzt aufs Bike, sondern gerade auch Ältere. Viele Senioren, die ihr Fahrrad schon längst eingemottet haben, kaufen E-Bikes, halten sich damit fit und beweglich und erschließen sich neue Räume und Möglichkeiten.