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EMMA on tour

Shuttle-Service mit dem autonomen Elektro-Kleinbus 

ROLPH steht nicht nur für Bus oder Bahn in Rheinland-Pfalz. ROLPH kann noch mehr. Zum Beispiel E-Mobilität und Autonomes Fahren. Dafür steht EMMA. Das umweltfreundliche Elektrofahrzeug ist autonom und flexibel. Getestet wurde es im Sommer 2018 am Mainzer Rheinufer. Nun soll es mit drei Fahrzeugen in den Regelbetrieb der Stadt Mainz übergehen.

Schon bald, wenn es wieder wärmer wird, im nächsten Frühling, wird EMMA wieder fahren. Diesmal nicht am Rheinufer, sondern über den Campus der Universitätsmedizin Mainz. Hier soll sie ihre Fahrgäste über das Gelände mit seinen mehr als 60 Kliniken, Instituten und Abteilungen chauffieren. 

 

Autonom, aber nicht allein
Klug, wie EMMA ist, fährt sie ihre Strecke selbstständig. Ganz ohne Fahrer. Nur mit einem sogenannten Operator, einem geschulten Begleiter, der einschreiten könnte, wenn es denn nötig wäre. Denn EMMA (abgekürzt für „Elektro-Mobilität Mainz Autonom“) ist zwar ein autonomer Elektrokleinbus. Aber ganz allein darf sie noch nicht unterwegs sein.

 

Mainzer lieben EMMA
„Das ist Pionierarbeit“, konstatiert Johannes Köck, Leiter der Abteilung für Mobilitätsangebote bei der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) und mit seinem Team verantwortlich für EMMA. Schon seit anderthalb Jahren begleitet er EMMA nun. Damals, im Mai 2018, wurde das Projekt ins Leben gerufen. Die R+V Versicherung steuerte Know-how und den autonomen Kleinbus bei, den sie schon auf ihrem Betriebsgelände im Einsatz hatte. Die Mainzer Mobilität stellten ihr Netzwerk und das Personal. Und schon drei Monate später ging EMMA in Mainz an den Start. 

Sehr erfolgreich managte sie den ganzen August ihre Aufgabe, Passanten und Touristen auf einer 700 Meter langen Teststrecke am Rhein entlang zu kutschieren. Mit elf Stundenkilometern brachte sie jeweils bis zu acht Fahrgäste an ihr Ziel. Und diese lernten sie lieben. „Was den autonomen Kleinbus EMMA angeht“, heißt es nüchtern in der Studie, die Psychologen der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität zum Einsatz von EMMA erstellten, „so bewerteten die Nutzenden den Kleinbus nach der Fahrt sehr positiv.“ Rund 1.000 der mehr als 3.200 Passagiere hatten den Wissenschaftlern vor und nach der Fahrt Rede und Antwort gestanden. EMMA habe es sogar geschafft, so bilanziert Köck, „eine sehr hohe emotionale Bindung der Mainzer Bevölkerung“ durch ihren zuverlässigen Auftritt in mehr als 500 Fahrten herzustellen.

Unterwegs auf dem Campus der Universitätsmedizin Mainz
Ihr nächster Einsatzort wird der Campus der Universitätsmedizin Mainz sein. Der Bedarf ist gewaltig: Auf dem riesigen Areal werden jährlich fast 70.000 stationäre Patienten versorgt. Hinzu kommen noch einmal rund 280.000 Patienten, die ambulant behandelt werden. Betreut – und gegebenenfalls von Gebäude zu Gebäude gebracht – werden sie von fast 8.000 Beschäftigten. Ganz zu schweigen von den Besuchern, die zu Hunderten auf dem Gelände unterwegs sind. „Da gibt es unheimlich viel Verkehr“, erklärt Johannes Köck. Daher habe man sich für die Uniklinik als Einsatzort für den zweiten EMMA-Lauf entschieden.

 

Die Neue kann jetzt noch mehr
Bei ihrem zweiten Testlauf auf dem Uniklinik-Campus wird EMMA mit bis zu drei Kleinbussen mit voraussichtlich jeweils sechs Sitzplätzen unterwegs sein. Und diese EMMA 2 kann noch mehr als ihre Vorgängerin. Denn die ist streng der eingegebenen Route gefolgt. Die neue EMMA kann zum Beispiel jetzt selbstständig Hindernisse umfahren und Haltepunkte flexibler anfahren. Auch wird sie eine Rampe haben, damit Menschen, die nicht so mobil sind, einfacher einsteigen können. 

„Aber der Operator muss noch mitfahren. Allein schon aus rechtlichen Gründen“, erläutert Köck. Bis EMMA ganz allein unterwegs sein kann, werden noch ein paar Jahre vergehen. Für EMMA 2 jedenfalls läuft in Kürze die Ausschreibung für die Hersteller, die Fördermittel sind bewilligt. 

 

EMMA für immer
Die Mainzer haben auch EMMA 3 schon fest im Blick: Wenn alles klappt, soll EMMA dann schon bald im richtigen Alltagsverkehr autonom auf flexiblen Wegen unterwegs sein – zum Beispiel in der quirligen Mainzer Neustadt.

Damit EMMA irgendwann zur Selbstverständlichkeit im Mainzer Stadtbild werden kann, braucht es, so Köck, „noch Zeit, Enthusiasmus, Motivation, Geld und viel Unterstützung“.

„Die Digitalisierung macht auch vor unserem Unternehmen nicht halt“

Interview mit EMMA-Projektleiter Johannes Köck von den Mainzer Verkehrsbetrieben

Herr Köck, wie kamen Sie auf die Idee, einen autonomen Bus am Rhein einzusetzen?

Das Thema Digitalisierung ist schon seit Jahren ein gewichtiges Thema der Mainzer Mobilität. Wir haben uns gefragt: Wie wird Mobilität in den nächsten 10 bis 15 Jahren aussehen? Dazu haben wir eine Vision der digitalen Zukunft erstellt, die von der Bearbeitung großer Daten-Ströme über verkehrsübergreifende Apps bis zum digitalen Ruftaxi reicht. In diese Vision ist auch der autonome Elektrokleinbus EMMA eingebettet. Zu diesen Themen möchten wir lernen. Denn die Digitalisierung macht auch vor unserem Unternehmen nicht halt.

 

Und wie kam EMMA ins Spiel?

Die R+V Versicherung hatte schon ein paar Testläufe mit dem Elektrokleinbus gemacht und nun nach einem Partner gesucht, um den autonomen Shuttle-Service im größeren Rahmen auszuprobieren. Das hat super gepasst. Und so haben wir das gemeinsam gemacht.

 

Was hat Ihnen der erste Testlauf mit EMMA gebracht? Was wissen Sie, was Sie vorher nicht wussten?

Wir mussten erkennen, dass – zumindest damals – der technische Stand nicht so war, wie wir das erwartet hatten. Der erste Schreck war, dass EMMA nicht eigenständig um ein Hindernis herumfahren konnte. EMMA 2 wird da schon weiter sein. Ansonsten, muss ich sagen, waren wir sehr zufrieden.

 

Was ist EMMAs Nutzen?

Es ist Pionierarbeit. Das heißt, die EMMA-Projekte kosten erst einmal viel Geld. Perspektivisch soll der Operator natürlich wegfallen und EMMA dadurch wirtschaftlicher werden. EMMA wäre interessant für den Ergänzungsverkehr frühmorgens und spätabends, in engen Innenstadtquartieren, am Ortsrand und im ländlichen Raum. Das werden wir uns weiter ansehen. Ihre technische Performance wurde von der Transferstelle Bingen der Technischen Hochschule Bingen untersucht und ihre Akzeptanz bei den Fahrgästen wurde vom Psychologischen Institut der Mainzer Universität evaluiert. Daraus haben wir viel lernen können.

 

Was hat EMMA gekostet? 

Der Testlauf vergangenes Jahr mit EMMA hat insgesamt rund 250.000 Euro gekostet – mit allem: Personal, Genehmigungen, Planung, Miete, Strom etc. Dafür haben wir Unterstützung vom Land bekommen und auch Sponsoren gewinnen können. Allerdings blieb ein ordentlicher Eigenanteil für die Muttergesellschaft Mainzer Stadtwerke übrig.