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Herbstzeit – Lesezeit!

Draußen wird es langsam kalt, nass und dunkel. Und drinnen gemütlich. Vor allem, wenn man ein gutes Buch zur Hand hat. Das gilt auch fürs Unterwegssein. Rolph stellt euch Bücher vor, die euch nicht nur zu Hause, sondern auch auf langen Zug- und Busfahrten unterhalten und dabei helfen, gut durch den Herbst zu kommen. 

Dabei hilft uns Grit Leoff. Sie ist eine der Inhaberinnen des schönen Buchladens Ruthmann in Bodenheim, der 2018 den Deutschen Buchhandlungspreis bekommen hat. Sie hat für uns Bücher ausgesucht, die ganz unterschiedlichen Menschen gefallen können. Für euch ist sicherlich auch etwas dabei. Hier als Erstes ihre drei Tipps. Im Anschluss hat Rolph noch eine Spezial-Empfehlung für euch.

 

Bewegende Familiengeschichte

„Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? Iris Wolff erzählt in ,Die Unschärfe der Welt‘ die bewegte Geschichte einer Familie aus dem Banat vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sie verbindet die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen – ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Und ein Roman über Menschen aus vier Generationen.“ 

Und was mag Grit Leoff besonders an diesem Buch? „Iris Wolffs Sprache ist zart und gleichzeitig kraftvoll. Sie lässt den realen Hintergrund dieses Romans im Unscharfen, sodass die Erlebnisse der Protagonisten umso plastischer werden.“

Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt. Klett-Cotta 2020, 216 Seiten, 20,00 €

Historischer Schmöker

Tipp zwei: „Der Sebi ist nicht gemacht für die Feldarbeit oder das Soldatenleben. Viel lieber hört und erfindet er Geschichten. Im Jahr 1313 hat so einer es nicht leicht in einem Dorf in der Talschaft Schwyz, wo die Hacke des Totengräbers täglich zu hören ist und Engel kaum von Teufeln zu unterscheiden sind. Doch vom Halbbart, einem Fremden von weit her, erfährt der Junge, was die Menschen im Guten wie im Bösen auszeichnet – und wie man auch in rauen Zeiten das Beste aus sich macht. ,Der Halbbart‘ von Charles Lewinksy lässt den Leser vor den historisch verbürgten Ereignissen der Geschichte der Schweiz tief in den Anfang des 14. Jahrhunderts mit dem täglichen Überlebenskampf, der bäuerlichen Arbeit und dem Klosterleben eintauchen.“

Und warum soll man das Buch lesen? „Die Erzählung aus der Sicht des jungen Sebi ist voller Schalk und kluger Ansichten und trifft den Leser mitten ins Herz“, meint Grit Leoff vom Buchladen Ruthmann.

Charles Lewinksy: Der Halbbart. Diogenes 2020, 688 Seiten, 26,00 €

Atemloser Krimi

Tipp drei: „Vitoria im Baskenland. Inspektor López de Ayala, genannt Kraken, und seine Kollegin Ruiz de Gauna haben einen schwierigen Fall zu lösen. Ein junges Paar wurde ermordet in der Kathedrale aufgefunden, völlig nackt, in einer innigen Umarmung umfangen. Der Fall weckt schreckliche Erinnerungen an eine Serie von Verbrechen, die zwanzig Jahre zuvor begangen wurden. Damals gab es fünf Doppelmorde an historischen Orten dieser Stadt. Für diese Verbrechen sitzt jedoch der ehemals angesehene Archäologe Tasio Ortiz im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses ein. Dieser bietet López seine Mitarbeit an, den Täter zu finden. Doch kann der Ermittler dem Mann trauen? Und heißt das, dass Ortiz unschuldig ist? Es beginnt ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit ... Dieser gut durchdachte, komplexe Plot mit packenden, rasanten Wendungen macht Lust auf mehr – ,Die Stille des Todes‘ von Eva García Sáenz ist ein echter Pageturner!“, findet Grit Leoff.

Eva García Sáenz: Die Stille des Todes. Fischer Scherz 2019, 576 Seiten, 15,00 €

Rolphs Spezial-Tipp:

Roman für Geschichtenliebhaber

Er ist fantastisch und realistisch, humorvoll und todernst. Er ist Krimi, Mystery, Roman und Satire, aber vor allem ist er eins: unterhaltsam. Der Roman von Heinrich Steinfest „Die Büglerin“ lässt uns Tonia Schreiber kennenlernen, die Meeresbiologin, die zur Büglerin konvertiert und mit Sorgfalt und Präzision die Wäsche ihrer wohlsituierten Kundschaft pflegt. Das Bügeln ist aber nicht nur Kontemplation, sondern auch Buße. An was Tonia leidet und wofür sie Strafe und Trost des Bügelns auf sich nimmt, erfährt man nach und nach und kann es kaum glauben. Oder doch?

Ein Buch für alle, die schwarzen Humor, Sprachwitz und Überraschungen lieben. 

Heinrich Steinfest: Die Büglerin. Piper 2020, 288 Seiten, 12,00 €