Lesetipps für den Winter

Die Tage werden schon wieder etwas länger – fast ist schon der Frühling in Sicht. Aber noch ist Zeit für gemütliche Lesestunden im Lieblingssessel, während es draußen nebelt und schneit. Oder unterwegs in Bus und Bahn, wenn nicht nur die Minuten und Stunden vorbeifliegen.

 

Diesmal empfiehlt euch Rolph Bücher für Wissbegierige mit viel Lehr- und Erkenntnisreichem – als Krimi, Sachbuch und Roman.

Geliebte Klima-Helden

Auch wer noch nicht Peter Wohllebens Millionenseller „Das geheime Leben der Bäume“ gelesen hat, kann problemlos in das Sequel „Der lange Atem der Bäume“ einsteigen. Der bekannte Öko-Förster aus der Eifel hat in sein neuestes Werk wieder viel Erstaunliches, Faszinierendes und Lehrreiches gepackt: Wie viel ein gesunder, naturbelassener Wald für unser Klima tut und tun könnte, erfahren wir hier, aber auch, was unsere gedankenlose industrielle Ausbeutung des Waldes bewirkt.

„Der lange Atem der Bäume“ ist eine Liebeserklärung an den Wald, ein Lehrstück in Sachen Klimaschutz und ein flammendes Plädoyer gegen die konventionelle Forstwirtschaft und unsere ausbeuterische Sicht auf den Wald als Rohstofflager.

Peter Wohlleben: Der lange Atem der Bäume.
Ludwig 2021, 256 Seiten, 22,00 €

 

Blick in die Polizeiarbeit

Jonas ist schon lange tot. Vor fünf Jahren hat man ihn aus dem Rhein gezogen. Da war er gerade mal 19 Jahre alt. Warum der Student starb, ist unklar. Ein Fall für die Akten. Eine Katastrophe für die Eltern. Ein Cold Case.

Hauptkommissar Thomas Mohr war bis gerade eben erfolgreicher Leiter der Zielfahndung beim LKA Nordrhein-Westfalen. Dann kam die Sache mit Murati. Ein Desaster. Und jetzt ist Mohr Chef der extra neu geschaffenen Ein-Mann-Abteilung für ungelöste Altfälle. Endstation.

Wolfgang Kaes, ausgezeichneter Investigativjournalist, langjähriger Polizeireporter und bekannt für seine akribischen Recherchen, erzählt in seinem Kriminalroman „Endstation“ die Geschichte von Jonas und Hauptkommissar Mohr, von Schlampereien und Vertuschung, von Parallel- und Schattenwelten und den Mühen der Polizeiarbeit. „Endstation“ ist ein Thriller – überraschend, realistisch, spannend und schockierend.

Wolfgang Kaes: Endstation.
Rowohlt Taschenbuch 2021, 432 Seiten, 12,00 €

 

Selbstporträt mit Ahnen

Saša Stanišićs Roman „Herkunft“ ist ein wunderbares Buch. Es ist unglaublich schön geschrieben – und witzig. Es ist emphatisch. Es ist berührend. Und es ist bereichernd.

Stanišićs „Selbstporträt mit Ahnen“ (wie er das Buch selbst nennt) ist eine Erinnerung, so lebhaft, dass man sie spürt: seine Kindheit in Višegrad, seine Flucht vor dem Krieg, sein Ankommen in Heidelberg und sein Sein als Migrant. Er entwirft ein Geflecht von Anekdoten und Erzählungen, von Rückblicken und Einblicken, die ein buntes Panorama zeichnen von unserer Gegenwart und jüngsten Vergangenheit und uns viele liebenswerte Menschen kennenlernen lässt.

Das Buch ist auch ein Abschiednehmen von seiner Großmutter, die ihre Erinnerungen lebt und sie dabei dennoch verliert. Sie ist der rote Faden dieser Geschichte aus tatsächlicher Erinnerung und Fiktion, das Bleibende im Verschwindenden. Und mit seinen vielen möglichen Enden ist das Buch nicht nur eine Überraschung, sondern auch ein Trost.

Saša Stanišić: Herkunft.
btb Verlag 2020, 338 Seiten, 12,00 €

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