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Lesetipps für entspannte Tage

Es wird Sommer. Und Urlaubszeit ist Lesezeit! Also hat Rolph wieder für euch nachgefragt, was Lese-Profis empfehlen: fünf Tipps für entspannte Tage.

Rainer Marquardt, Leiter der Belletristik-Abteilung der traditionsreichen Buchhandlung Reuffel in Koblenz, hat für uns die Regale inspiziert. Er hat gleich vier Empfehlungen für den Sommer. Und wem das nicht genug ist: Ganz unten findet ihr noch den Spezial-Tipp von Rolph für euch.

Kluger Roman über schwere Entscheidungen

Eine Basilika, ein Kloster, ein kreisrunder vulkanischer See, rundherum ländliche Abgeschiedenheit – der Handlungsort des Romans „Aus der Mitte des Sees“ von Moritz Heger kann einem schon merkwürdig bekannt vorkommen. Und wer dahinter das Benediktinerkloster Maria Laach in der Eifel vermutet, liegt wohl auch nicht ganz falsch ... Lukas ist Ende dreißig, trat als junger Mensch zusammen mit seinem Schulfreund Andreas aus Überzeugung ins Kloster ein. Nun ist alles anders: Andreas hat eine Frau kennengelernt, hat das Kloster hinter sich gelassen und gründet eine Familie. Lukas bleibt zurück als Jüngster in einer geschrumpften, überalterten Gemeinschaft, die nun zwangsläufig sämtliche Hoffnungen auf ihn wirft. Lukas zweifelt an seiner Entscheidung, hadert mit dem ehemaligen Mitbruder, kämpft selbst mit Anfechtungen. Und eine davon hat auch einen Namen: Sarah. Dieses Buch der Selbsterforschungen ist wunderbares Lesefutter für alle, die kluge Gedanken und eine schöne Sprache lieben.

Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees. Diogenes, 256 Seiten, 22,00 €

 

Hanseatischer Krimi mit japanischem Flair

Dieses Buch ist der Auftakt zu einer großartigen Krimiserie um den japanischen Inspektor Kenjiro Takeda, der im Rahmen eines Austauschprogramms mit der Polizei in Hamburg ankommt und dort hängen bleibt. Zusammen mit seiner deutschen Kollegin Claudia Harms muss er in seinem ersten Fall um einen dubiosen Doppelselbstmord ermitteln. Und dabei wirkt der lässige, Saxofon spielende Takeda mit einer Schwäche für schicke Anzüge so gar nicht japanisch – oder vielleicht doch? Originelle, vielschichtige Figuren, ein ausgefuchster Plot und das Flair der Hansestadt ergeben zusammen eine unwiderstehliche Kombination für alle, die einen Krimi mit weniger Blut, dafür aber mit mehr Atmosphäre mögen.

Henrik Siebold: Inspektor Takeda und die Toten von Altona. Aufbau Taschenbuch, 416 Seiten, 9,99 €

 

Alternative Weltgeschichte

Dieser Roman ist Science-Fiction rückwärts: In „Eroberung“ geht es nicht um die Zukunft, sondern darum, wie Vergangenheit hätte sein können. Was wäre geschehen, wenn ... nicht die Spanier Südamerika erobert hätten, sondern die Inkas Europa? Was zunächst wie ein Hirngespinst scheint, beschreibt Laurent Binet in seinem geistreichen und nicht eine Sekunde langweiligen Roman als alternative Realität, die sich in absolut logischen, nachvollziehbaren Schritten entfaltet. Die Inkas landen in Spanien und finden dort eine zutiefst zerrissene Gesellschaft vor. Mit einer Streitmacht von nur zweihundert Kriegern und allerlei exotischem Getier setzen sie Karl V. fest, spielen die Mächtigen gegeneinander aus, heiraten in sämtliche Dynastien ein und locken die Fugger mit der Aussicht auf einen endlosen Strom von Gold und Juwelen. Ein grandioser Spaß, der den historischen Spieß umdreht. Nur ein paar kleine Zufälle – und die Geschichte wäre ganz anders verlaufen.

Laurent Binet: Eroberung. Rowohlt, 384 Seiten, 24,00 €

Anekdotenreiche Reise zum Herzen Europas

Lothringen, das ist das alte Zwischenreich zwischen Deutschland und Frankreich. Es umfasst einen breiten Streifen von Landschaften von Friesland im Norden über das heutige Belgien und Luxemburg und dann immer den Rhein hinunter bis ins Elsass, nach Baden und in die Schweiz. Ein altes Land, kulturell reich und wirtschaftlich stark – bis heute ein Motor der Geschichte in Europa, obwohl es schon lange nicht mehr als eigener Staat existiert. Simon Winder blättert in seinem herrlichen Geschichtsbuch „Herzland“ die ganze Pracht und Kultur dieser Region auf, zu der auch das heutige Rheinland-Pfalz einst gehörte. Zahllose Anekdoten und Episoden um Personen und Ereignisse des Herzlandes Europas schlagen dabei einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Wer sich gerne mit Geist und Witz in die reiche Geschichte unserer europäischen Heimat entführen lässt, wird hier nicht enttäuscht werden.

Simon Winder: Herzland. Siedler Verlag, 560 Seiten, 28,00 €

 

Rolphs Spezial-Tipp: Thriller über zwei spannende Frauen

„Der Tausch“ der amerikanischen Schriftstellerin Julie Clark ist ein Krimi über das Schicksal zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch haben sie etwas gemeinsam: schreckliche Angst und den großen Wunsch, ein ganz anderes Leben zu führen.

Claire ist die Ehefrau des charismatischen Multimillionärs Rory Cook, Medienliebling und potenzieller Kandidat für einen Senatorensitz im amerikanischen Kongress. Doch hinter der perfekten Ehekulisse verbirgt sich eine brutale und gewalttätige Wirklichkeit, die für Claire immer unerträglicher wird. Nur eine Flucht kann sie jetzt noch retten.

Auch Eva lebt den Schein. Und auch für sie wird es langsam richtig gefährlich. Es ist höchste Zeit zu verschwinden. Die Begegnung zwischen Claire und Eva am John F. Kennedy Airport in New York ist für beide eine Chance: Sie tauschen die Bordkarten. Sie werden spurlos verschwinden. Das neue Leben kann beginnen.

Doch kann es das wirklich? Julie Clarks Thriller erzählt von Lügen und Ängsten, Einsamkeit und Nicht-Vertrauen und von der Unterstützung, die frau von Frauen bekommen kann.

Fazit: Wendungsreich, überraschend und super spannend bis zum Schluss. Zu Recht auf der Bestseller-Liste.

Julie Clark: Der Tausch. Wilhelm Heyne Verlag München, 400 Seiten, 12,99 €