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Mit Rolph durchs Werk

In Ludwigshafen am Rhein werden die S-Bahnen der DB Regio Mitte auf Vordermann gebracht. 15 Bahn-Enthusiasten bekamen von Rolph und der S-Bahn Rhein-Neckar eine exklusive Führung durch das Instandhaltungswerk geschenkt.

Es ist ein strahlender Vorfrühlingstag. Der Himmel wolkenlos. Und vorne wartet schon der rot leuchtende Zug. Für 15 Bahnfreunde und Eisenbahnfans ist es ein ganz besonderer Tag: Rolph und die S-Bahn Rhein-Neckar haben sie eingeladen, das Instandhaltungswerk Ludwigshafen der DB Regio Mitte zu besuchen – in einer exklusiven Führung von Werkstattleiter Heinz-Dieter Götz und seinem Fertigungsmeister Thorsten Scherr durch die Hallen des Werks. 

Vor dem Fahrzeug der S-Bahn Rhein-Neckarsammeln sich die Gewinner der Werkstattführung und ihre Begleiter. Es gibt ein großes Hallo und die Stimmung ist aufgeräumt. Für einige ist es auch ein Wiedersehen mit ihrem alten Arbeitsplatz. Wilhelm Schaffelhuber war hier Lokführer und Martin Hafner hat in Ludwigshafen am Rhein viele Jahre im Stellwerk die Weichen gestellt: „Wir haben das Werk hier einmal bedient“, erzählt er stolz. 

Lokführer Marcel Güthert hat den roten Sonderzug extra vorgefahren, um die bunte Truppe direkt in die Werkstatthalle zu bringen – schon diese kleine Fahrt ist ein ganz besonderes Erlebnis. Denn normalerweise fahren die Züge natürlich ohne Passagiere zur Wartung oder Reparatur. 

Kathedrale der Technik

Langsam rollt die rote Bahn in die Technik-Kathedrale: 18 Meter hoch ist die Halle, 34 Meter breit und 180 Meter lang – also länger als der Kölner Dom und fast so hoch wie eines seiner Seitenschiffe. Es riecht nach Öl und Eisen, nach Maschinen und Arbeit. „Es riecht nach Heimat“, findet Helmut Leim. Er ist Betriebsingenieur und liebt die Bahn, seit er denken kann. 

Helmut Leim und die anderen zehn Männer und vier Frauen der Besuchergruppe bekommen zunächst einmal einen roten Sicherheitshelm. Staunend stehen sie in der riesigen Halle mit der gelben Hebebockanlage und den blauen Verstrebungen. Auf vier aufgeständerten Gleisen mit Messgleisen und Arbeitsgruben warten schon weitere rote Bahnen darauf, überholt oder instand gesetzt zu werden. 

116 E-Triebwagen der S-Bahn-Baureihe 425, erklärt Werkstattleiter Götz, werden hier versorgt. Hinzu kommen noch ein paar Dieselfahrzeuge, die in der Nachbarhalle gewartet werden. Regel- und planmäßig wird jedes Fahrzeug nach 17.500 Kilometern in einer kleinen Inspektion überprüft. Ein Mitarbeiter checkt die Bahn von außen. „Ein zweiter übernimmt den Fahrgastinnenraum. Er geht von einem Führerstand zum anderen. Im Durchschnitt stellt er dabei sieben bis acht Mängel fest: Piktogramm abgerissen oder unleserlich, Sitzauflage aufgerissen, Gurt für Fahrradhalterung angerissen – das sind so typische Schäden. Die werden dann gleich gemeldet und behoben“, erläutert Götz.

Überprüfung „von Kopf bis Fuß“

Die Technik in der Halle ermöglicht im Prinzip alles, was eine S-Bahn braucht: Hier können Wartungsarbeiten durchgeführt werden, Teile – bis hin zum Fahrmotor – getauscht und Reparaturen vorgenommen werden. Nur größere Umbauten werden hier nicht ausgeführt: Das würde die Arbeitsstellen und das Personal viel zu lange in Anspruch nehmen, um den Normalbetrieb noch abwickeln zu können. 

Nach 33.000 Kilometern bekommt jedes Fahrzeug eine Überprüfung „von Kopf bis Fuß“, erklärt Fertigungsmeister Scherr. Im Fahrgastinnenraum und auf dem Dach werden die wichtigen Bauteile auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft, die Filter der Klimaanlage ausgetauscht, die Radsätze vermessen und gegebenenfalls in der Unterflurdrehanlage in der Nachbarhalle wieder auf das richtige Betriebsmaß gebracht. Reicht das nicht mehr, muss der ganze Radsatz getauscht werden. Wenn alles überprüft und erneuert ist, kann es weitergehen – für die nächsten 17.500 Kilometer, falls denn vorab keine Reparatur notwendig wird. 

Von der Grube bis zum „fliegenden Teppich“

Auf vier Ebenen werden die Fahrzeuge gecheckt, erzählt Werkstattleiter Götz. Ebenerdig liegt die Ebene 0. Hier, auf Höhe der Querwege an den Hallenenden, ist der normale Transportweg, auf dieser Ebene wird das Material herbeigeschafft. 

95 Zentimeter unter den aufgeständerten Schienen, auf dem Hallenniveau, auf dem wir uns bewegen, liegt die nächste Ebene. Diese Höhe ist abgestimmt auf die S-Bahn der Baureihe 425, sodass wichtige Komponenten wie die Antriebstechnik, der Haupttransformator, die Lufterzeugungsanlage und der Fahrmotor für die Techniker gut erreichbar sind. 

Rolph Ostergewinnspiel

Darunter liegt die Grube, sie ist noch einmal 1,25 Meter tiefer. So kann man dann recht bequem unter dem Zug durchlaufen. Fertigungsmeister Scherr zeigt uns die Batterie, die Antriebstechnik, den Trafo und den Luftpresser für die Bremsen, die an der Unterseite des Zuges befestigt sind. In den neuen Modellen, die es ab Ende des Jahres zusätzlich geben soll, wird hier auch die Heizungs- und Klimaanlage zu finden sein. 

Die liegt bei den jetzigen Modellen noch auf dem Dach. Um sie zu erreichen, nehmen die Mitarbeiter einen der „fliegenden Teppiche“. So nennen sie jedenfalls hier die mobilen gelben Arbeitsbühnen, die an Schienen unter dem Hallendach aufgehängt sind, und mit denen die Techniker die Oberseite des Zuges warten. „Die Heizungs- und Klimaanlage des Zuges ist unsere oberste Priorität“, erläutert Götz. „Denn die sollte auf keinen Fall ausfallen.“

6 Tage die Woche und 363 Nachtschichten

65 Mitarbeiter, darunter drei Frauen, arbeiten in zwei Schichten an sechs Tagen die Woche und in allen Nächten an den Bahnen. Das ganze Jahr. Nur an Heiligabend und an Silvester wird keine Nachtschicht gefahren. 

Tanja Iuliano gehört zum Team. Die Energieelektronikerin ist wie ihre Kolleginnen und Kollegen für die Fahrzeuginstandhaltung zuständig. Seit 1996 arbeitet sie im Bahnbetriebswerk Ludwigshafen, wurde hier ausgebildet und findet ihren Job „immer noch sehr spannend“. Im Kreise ihrer vielen männlichen Kollegen fühlt sie sich gut aufgenommen. Und unter diesem Gesichtspunkt kann sie junge Frauen nur ermutigen, sich doch mehr in technische Berufe zu trauen. 

Dass trotzdem sehr wenige Frauen in der S-Bahn-Werkstatt arbeiten, bedauert auch Werkleiter Götz: „Der Schichtdienst bereitet vielen Frauen Schwierigkeiten“, weiß er aus Erfahrung. 

Sicher und gut ausgerüstet unterwegs

Gut ausgebildete Schlosser und Elektriker, die dann umfassend auf die Besonderheiten der S-Bahn-Baureihe qualifiziert werden, sind immer gesucht. „Gerne auch mehr Frauen“, betont Werkstattleiter Götz. 

Die Verantwortung ist groß, das weiß auch Bahn-Enthusiast Helmut Leim. Das Ludwigshafener Instandhaltungswerk betreut die Bahnen eines 240 Kilometer langen Schienennetzes, primär der S-Bahnen der S-Bahn Rhein-Neckar. Leim ist selbst Maschinenbauingenieurund kann beurteilen, was das bedeutet: Heinz-Dieter Götz und sein Team gewährleisten, dass die Züge von Osterburken bis Homburg und von Mannheim bis Mainz sicher und gut ausgerüstet unterwegs sind. 

Das ist Leim ein dickes Dankeschön an alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wert. Und da er nicht nur die Bahn liebt, sondern auch noch Musik macht, freut er sich besonders darüber, dass die Bahn das schreckliche Geklapper der metallischen Abfallbehälter im Zug abgestellt hat. Wie sie das geschafft haben? „Ganz einfach – mit Noppen“, verrät ihm Götz.