Zurück nach oben scrollen

New Mobility – Nachhaltig unterwegs

Immer mehr neue Mobilitätsformen drängen auf den Markt. Aber was bringen sie wirklich für die Mobilität der Zukunft? Welche Vorteile haben diese Mobilitätssysteme und -dienstleistungen? Welche Gefahren bergen sie? Und was bedeuten sie für deine Mobilität?

Mobilität im Wandel

Die Welt ist im stetigen Wandel. Und verlangt auch von uns immer wieder neue Denkansätze. Auch zu der Frage, wie wir uns in Zukunft fortbewegen wollen.

Nachhaltigkeit, Nutzerfreundlichkeit, individuell angepasst und trotzdem vernetzt: Das sind die Anforderungen, die an die Neue Mobilität gestellt werden. Wie die aussehen kann und wie sie jetzt schon aussieht, hat Rolph für dich zusammengestellt.

Mehr Stromer

Ganz klar: Alternative Antriebe spielen eine große Rolle bei der Mobilitätswende und die New Mobility wird in weiten Teilen elektrisch sein. Vor allem E-Autos, aber auch E-Busse und E-Züge leisten einen wichtigen Beitrag zur Einsparung von Kohlendioxid. Schließlich entstehen 25 Prozent der CO2-Emissionen in Rheinland-Pfalz im Verkehr.

E-Autos werden immer beliebter: Mehr als 14 Prozent der 2020 neu zugelassenen Personenkraftwagen im Land haben einen Elektroantrieb. Und auch die Zahl der öffentlichen Ladepunkte steigt im Jahr 2020 auf knapp 1.600. Kein Wunder, denn die Anschaffung von E-Autos und auch die Installation von privaten Ladestationen wird stark gefördert.

Auch für den ÖPNV und auch für Bahnen werden alternative Antriebe immer wichtiger. Immer mehr Busse laufen in den Städten in Rheinland-Pfalz schon mit Strom. So fahren in Mainz – neben den etwa vierzig Straßenbahnen – zurzeit vier Busse elektrisch, zwölf werden im Herbst dazukommen, elf weitere sind in der Planung. Und es werden immer mehr werden, denn bei der Neuanschaffung für Fahrzeuge des städtischen ÖPNV greifen künftig Quoten der EU-Richtlinie „Clean Vehicles Directive“: Bis Ende 2025 müssen bei Neubeschaffungen mindestens 45 Prozent emissionsarme und -freie Fahrzeuge und ab 2026 dann sogar mindestens 65 Prozent „saubere“ Fahrzeuge erworben werden.

Zu den „sauberen“ Fahrzeugen gehören übrigens auch solche, die mit Wasserstoff-Brennstoffzellen angetrieben werden. Mittel- bis langfristig werden auch sie insbesondere für Nutzfahrzeuge und im ÖPNV eine Rolle spielen.

Bei der Umstellung auf alternative Antriebe im schienengebundenen Personennahverkehr ist Rheinland-Pfalz bundesweit einer der Vorreiter. Bereits 2019 hat der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd) gemeinsam mit den Partnern im Saarland und in Baden-Württemberg den Betrieb des Pfalznetzes neu ausgeschrieben: Ab Dezember 2025 werden auf den meisten nicht elektrifizierten Bahnstrecken in der Pfalz strombetriebene Oberleitungs-/Batterie-Hybridfahrzeuge zum Einsatz kommen.

Während zunächst die Bahnstrecke zwischen Neustadt an der Weinstraße und Karlsruhe mit diesem Fahrzeugtyp betrieben werden soll, kommen im Dezember 2026 weitere Strecken hinzu. Auch im Norden des Landes tut sich etwas: Dort setzt der zuständige Aufgabenträger, der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord), zum einen auf den Ausbau der Elektrifizierung, zum anderen auf alternative Antriebe. Dazu ist auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie ein Testbetrieb für batterie-elektrisch betriebene Züge sowie Wasserstoff-Züge auf ausgewählten Pilotstrecken im Verbandsgebiet vorgesehen.

Für die sogenannte „Letzte Meile“ bis zu Bus oder Bahn oder von dort zum Ziel kann die Elektrifizierung auch etwas bringen: Schon heute gibt es in den größeren Städten in Rheinland-Pfalz E-Scooter, die sich über eine App einfach mieten lassen. Diese Mikromobilität ist sehr bequem, ob die Umweltbilanz der kleinen Flitzer aber positiv ist, ist nicht zuletzt wegen ihrer kurzen Lebensdauer umstritten.

Für dich heißt das: Busse und Bahnen werden leiser und sauberer. Insbesondere für die stark belasteten Innenstädte ist die Elektrifizierung des Verkehrs eine gute Nachricht. Leiser und sauberer wird auch der Individualverkehr, wenn sich E-Autos und emissionsarme Fahrzeuge durchsetzen. Aber sie werden dadurch natürlich nicht weniger. Auf die Staus hat die Elektrifizierung keinen Einfluss. Dazu braucht es andere Konzepte.

Besser teilen

Für die Verkehrsreduzierung, aber auch für die stärkere Flexibilisierung gibt es eine ganze Reihe von Sharing-Konzepten – gerne auch in der Version „elektrisch“ und noch besser verknüpft mit und eingebunden in den klassischen Öffentlichen Personennahverkehr mit Bus, Tram und Bahn.

Bike-Sharing hat in Rheinland-Pfalz schon länger seinen Platz: Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) bietet in Kooperation mit dem Bike-Sharer „nextbike“ schon seit Jahren Leihräder für seine Nutzerinnen und Nutzer. Und die Mainzer Mobilität war das erste Nahverkehrsunternehmen, das eine eigene Fahrradflotte zum Mieten zur Verfügung stellte – mittlerweile sind es mehr als 1.200 Mieträder.

Mit Bus oder Bahn unterwegs und am Ziel dann auf einen Kleinwagen, Kombi, Cabrio oder Transporter umsteigen: Das geht zum Beispiel in Mainz sehr gut. Da arbeitet das Nahverkehrsunternehmen Mainzer Mobilität mit „book-n-drive“ zusammen – die Leihfahrzeuge befinden sich direkt an ÖPNV-Haltestellen. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VNR) arbeitet in seinem Tarifgebiet beispielsweise in den Städten Kaiserslautern und Ludwigshafen mit den Car-Sharern „Flinkster“ oder „stadtmobil“ zusammen.

Teilen kann insbesondere auf dem Land dabei helfen, die dort oftmals nicht sehr engen Bus-Takte zu ergänzen, abgelegene Orte zu erreichen oder Dinge zu erledigen, für die man ein eigenes Fahrzeug braucht. So macht es der Rhein-Hunsrück-Kreis, wo das E-Dorfauto vom Modellprojekt (Rolph berichtete) wegen überragenden Erfolgs zum dauerhaften Angebot ausgeweitet wurde und auch fleißig Nachahmer in Nachbarkreisen findet.

Für dich bedeutet das: Du kannst auf ein wachsendes Angebot von Fahrrädern und Autos zum Leihen setzen. Die Share-Angebote und der ÖPNV wachsen zusammen, sodass du bequem vom ÖPNV oder der Bahn auf ein individuelles Share-Fahrzeug umsteigen kannst – oder umgekehrt.

Und als ÖPNV-Nutzerin und -Nutzer gibt es Rabatte oder Services von deinem Nahverkehrsanbieter. Aufs eigene Auto zu verzichten, wird so immer einfacher. Damit sparst du Geld und Nerven und tust der Umwelt was wirklich Gutes.

Autonom unterwegs

Trend Nummer drei der New Mobility ist auf jeden Fall das autonome Fahren. Die Automatisierung des Fahrens schafft ganz neue Möglichkeiten. Zum Beispiel im ÖPNV: Mit autonomen Kleinbussen können Strecken zu Uhrzeiten bedient werden, für die es zu teuer und ineffizient wäre, einen regulären Bus einzusetzen. Das Problem der „Letzten Meile“ vom ÖPNV zum individuellen Ziel ließe sich so lösen.

Rheinland-Pfalz hat das schon ausprobiert und erfolgreich Pilotprojekte umgesetzt. Wie EMMA, die 2018 schon ohne Fahrer entlang des Rheins unterwegs war, und die nun als EMMA2 ganz autark ihre Runden auf dem Campus der Mainzer Universitätsmedizin dreht – wenn nicht gerade Pandemie ist.

Auch wenn es noch etwas dauern wird, bis die ganz autonomen Fahrzeuge zum Alltag gehören: Irgendwann werden die Busse und Autos ohne Fahrer zum Straßenbild gehören. Sie werden den ÖPNV ergänzen und attraktiver machen oder – wenn die Städte nicht rechtzeitig reagieren – als autonome Taxiflotten zu ihm in Konkurrenz treten.

Für deine Mobilität kann das bedeuten:  Wenn autonome Mobilität überall einfach und kostengünstig angeboten wird und den regulären ÖPNV sinnvoll ergänzt, brauchst du vielleicht kein eigenes Auto mehr.

Digital, vernetzt und flexibel

Zu einer nutzerfreundlichen, klimaneutralen New Mobility werden die neuen Mobilitätsangebote aber nur werden können, wenn sie zielgerichtet eingesetzt, vernetzt und gelenkt werden. Ansonsten drohe, so warnt die Unternehmensberatung Roland Berger in ihrer Studie „Urbane Mobilität 2030“, „eine erhebliche Zunahme des Straßenverkehrs, inklusive längerer Beförderungszeiten“.

Das hat natürlich viel damit zu tun, wie die Rahmenbedingungen gestaltet werden, wie die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt und Infrastruktur und Verkehrsteilnehmer vernetzt werden – von der Mobilitätsanalyse über Verkehrssteuerung/Parken und private oder öffentliche On-Demand-/Ridepooling-Angebote bis hin zum Einsatz von Mobility-Apps und E-Ticketing. Das alles entscheidet darüber, wie die Mobilität morgen tatsächlich aussehen wird.

Für dich heißt das: Wenn es gut läuft, läuft es reibungslos. Individualverkehr und ÖPNV spielen so zusammen, dass jede Mobilitätsform ihre Vorteile ausspielen kann, ohne andere zu behindern. Über das Netz erfährst du, wie du am einfachsten und schnellsten und mit welchem Dienst an dein Ziel kommst, wie du digital buchst und wie du digital bezahlst.

Poolen und Ridesharen

Anfänge sind gemacht – wie zum Beispiel in Wittlich in der Eifel. Seit 2016 ist dort der „Wittlich Shuttle“ unterwegs, ein digital über eine App rufbarer On-Demand-Bus, der den lokalen ÖPNV ergänzt. Er fährt ohne festen Fahrplan auf flexiblen Routen, sammelt die Fahrgäste unterwegs ein (Pooling) und bringt sie an ihr Ziel.

Wie beim Ridesharing- und Pooling-Angebot „MainzRIDER“ (zehn E-Kleinbusse) oder beim Bad Kreuznacher Anruf-Sammel-Taxi werden bestimmte Tickets oder Zeitkarten angerechnet und ein kleiner Aufpreis verlangt. Bezahlt wird beim „MainzRIDER“ ebenfalls schon digital – über die App.

Die Ära der New Mobility hat längst begonnen.