Seamless Mobility – Vernetzte Mobilität ist hoch im Kurs

Dienstagmorgen, Karin steht auf und muss zur Arbeit. Dank Seamless Mobility geht das schnell und unkompliziert: Raus aus der Haustür, rauf auf den E-Scooter, der gleich um die Ecke steht. Schnell zur nächsten Zugstation fahren, von dort weiter zur Arbeit. Im Zug sitzen und in der App schon jetzt in Echtzeit sehen, ob an der Endstation ein Fahrrad oder ein Carsharing-Auto bereitsteht. Aussteigen und direkt umsteigen. Die 20 Minuten Fußweg zum Büro sind vergessen. Bezahlen kann Karin alles gebündelt über eine App und den Weg ins Büro verkürzt sie von 45 Minuten auf nur 20 Minuten.

Das alles klingt noch nach Zukunftsmusik, wird mit der sogenannten „Seamless Mobility“ aber möglich. Ein Zukunftskonzept, das den Wunsch, den eigenen Weg so unkompliziert und zeitsparend wie möglich zu gestalten, zur Realität machen könnte. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „nahtlose Mobilität“. Aufgekommen ist die Idee als Antwort auf den Bedarf nach mehr und besser vernetzter, multimodaler Mobilität. Was genau damit gemeint ist, wie Seamless Mobility aussieht und wo sie schon Realität ist, das schauen wir uns in diesem Artikel mal genauer an.

Das Mobilitätsangebot von morgen: nahtlos, unkompliziert und gebündelt in einer App

Voraussetzung für Seamless Mobility ist, Mobilität nicht mehr in unterschiedlichen Verkehrsmitteln zu denken und zu organisieren, sondern entlang von Mobilitätsketten. Denn Menschen wechseln immer häufiger das Verkehrsmittel, um an ihr Ziel zu gelangen: situativ, ad hoc oder gepoolt – wir wählen die bestmögliche Option. Voraussetzung für eine solche bedarfsgesteuerte Mobilität ist eine größere Vielfalt an praktikablen, flexiblen, zeit- und kosteneffizienten Optionen.

Damit Mobilitätsangebote flexibel, einfach und verkehrsanbieterübergreifend nutzbar werden, müssen wir sie auf einer Plattform bündeln und kombinieren. Alles, was wir dann bräuchten, wären ein Smartphone und eine App, die die Daten zu Standort von Verkehrsmitteln und Personen, Tarifen und Routenauskünfte miteinander verknüpft. Das Konzept einer integrierten App verspricht neue, vernetzte Angebote, einen erleichterten Zugang für alle und eine verkehrsträgerübergreifende Mobilität.

Der Vorteil: Nutzerinnen und Nutzer müssen sich nicht mehr mit komplizierten Systemen auseinandersetzen. Mit nur wenigen Klicks kann es direkt losgehen und mit nur einer einzigen Buchung könnten alle genutzten Verkehrsmittel abgerechnet werden. Voraussetzungen hierfür: ein offenes und dezentrales Mobilitätssystem und eine intelligente, digitale Infrastruktur.

Zusammengefasst beschreibt Seamless Mobility die Idee einer nahtlos aufeinander abgestimmten Mobilitätskette von öffentlichen, privaten und kommerziellen Mobilitätsanbietern. Und die Vorteile, die eine Umsetzung von Seamless Mobility bringen würde, liegen auf der Hand:

  • Mobilität wird effizienter. Dank Services, die punktgenau aufeinander abgestimmt sind, werden Warte-, Umstiegs- sowie Fahrzeiten reduziert oder fallen sogar ganz weg.
  • Mobilität wird günstiger. Durch die Bündelung der Angebote werden Kosten reduziert und Fahrten insgesamt günstiger. Kundinnen und Kunden müssten in einer übergreifenden App nur noch einmal zahlen, auch wenn sie verschiedene Verkehrsträger nutzen.
  • Mobilität wird umweltfreundlicher. Vernetzte Mobilitätsketten führen zu einer effizienteren Nutzung vorhandener Mobilitätsangebote: Ein höheres Verkehrsaufkommen kann bewältigt werden, während gleichzeitig der CO2-Ausstoß sinkt.

Seamless Mobility: Zukunftsmusik oder Realität?

Seamless Mobility ist nicht nur eine gute Idee für die Mobilität der Zukunft, in manchen Regionen der Welt wird das Konzept sogar schon umgesetzt. Beispielsweise im norwegischen Kongsberg.

Kongsberg ist eine kompakte Stadt mit kurzen Entfernungen. Dennoch nutzen viele Einwohnerinnen und Einwohner das Auto statt den öffentlichen Nahverkehr. Der kommunale Nahverkehrstreiber Brakar, Applied Autonomy – ein Anbieter autonomer Verkehrsdienste – hat sich dieses Problems gemeinsam mit der Stadt Kongsberg angenommen: Seit drei Jahren testen sie erfolgreich den Einsatz von autonomen Bushuttles bis zur letzten Meile und demonstrieren damit, dass man bei guten Alternativen auf das Auto sehr wohl verzichten kann.

Seamless Mobility in Deutschland

Auch hierzulande gibt es Erfolg versprechende erste Ansätze einer Seamless Mobility. In Baden-Württemberg wurde die technische Umsetzbarkeit in ersten Pilotanwendungen getestet. Die benötigten Mobilitätsdaten werden auf der Plattform „MobiData BW“ in einer leistungsfähigen technischen Umgebung zur Verfügung gestellt.

Bei uns in Rheinland-Pfalz ist das Potenzial für eine nahtlose Mobilitätskette groß. Das gut ausgebaute Netz an Bus- und Bahnlinien lässt sich durch eine Vielzahl von Sharing-Angeboten wie Carsharing, Mieträdern und E-Scootern optimal ergänzen. Hier ein kleiner Überblick, welche Angebote es bereits heute gibt:

Carsharing

Book-n-drive. Eine Landkarte, mit der ihr in Rheinland-Pfalz schnell und einfach ein Auto mieten könnt, findet ihr hier. 

Stadtmobil. Stationen gibt es beispielsweise in Worms, Kaiserslautern, Bad Dürkheim oder Landau. Alle Stationen findet ihr hier.

app2drive. Eine Landkarte mit allen app2drive-Stationen findet ihr hier

Bikesharing

Cargobike Sharing. Verfügbar in Mainz, Neustadt, Speyer und Ludwigshafen. Mehr dazu findet ihr hier.

meinRad. Eine Übersicht aller meinRad-Stationen in Mainz findet ihr hier.  

VRNnextbike. Alle Stationen im VRN-Gebiet könnt ihr hier einsehen.

Call a bike. Wo Call a bike zu finden ist, findet ihr hier.

E-Scooter

Book-n-drive. Eine Landkarte, mit der ihr in Rheinland-Pfalz schnell und einfach ein Auto mieten könnt, findet ihr hier. 

Tier. Verfügbar in Ludwigshafen, Mainz und Kaiserslautern. Eine Übersicht findet ihr hier.

Bird. Eine Übersicht über alle Städte, in denen Bird vertreten ist, gibt es hier.

Bolt. Verfügbar zum Beispiel in Ludwigshafen. Die ganze Liste seht ihr hier.

Wind. Verfügbar in Mainz, siehe hier.

Lime. Verfügbar über die Uber-App.

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