Zurück nach oben scrollen

Sicher und schnell zur Arbeit

Pendler-Radrouten als Mobilitätsalternative

Der Traum vieler Radfahrer und Radfahrerinnen wird bald wahr: Auf nur für den Radverkehr bestimmten, sogenannten Pendler-Radrouten (PRR) den eigenen Arbeitsplatz mit hoher Geschwindigkeit schnell und sicher erreichen. Das Land Rheinland-Pfalz hat dafür sieben geeignete Strecken im ganzen Land in ein entsprechendes Planungskonzept aufgenommen. Als Teil der Mobilitätsinitiative des Landes soll damit der Berufs-Radverkehr zur Entlastung der Ballungszentren vom Autoverkehr gezielt gestärkt werden.

Unter dem Begriff Pendler-Radrouten werden sogenannte Radschnellverbindungen sowie Radvorrangrouten verstanden. Sie verknüpfen wichtige Zielbereiche über größere Entfernungen und ermöglichen so ein durchgängig sicheres sowie attraktives Befahren bei hoher Geschwindigkeit. Mit der Anlage von Pendler-Radrouten werden wichtige Voraussetzungen für die Förderung der Nutzung des Fahrrades für den Weg zur Arbeit geschaffen.

Vorreiter auf dem Gebiet sind die Niederländer – dort wurden bereits die ersten Radschnellwege gebaut. In einem Entfernungsbereich von bis zu 15 Kilometern sollen die Wege es Pendlerinnen und Pendlern ermöglichen, ihr Ziel schnell und sicher zu erreichen. Radschnellwege in Ballungsgebieten sind dort Teil der nationalen Mobilitätsstrategie.

Für Pendler-Radrouten gelten andere Kriterien als für normale Radwege. Aus den bisherigen Erfahrungen lassen sich folgende Anforderungen an diese Wege ableiten:

  • Sicher befahrbar, auch bei hoher Geschwindigkeit
  • Keine hohen Zeitverluste pro Kilometer durch Anhalten und Warten
  • Direkte Linienführung ohne Umwege
  • Ausreichend breite Wege für höheres Radverkehrsaufkommen, auch in zwei Richtungen: mindestens 2,5 Meter, in der Regel mindestens 3 Meter
  • Asphaltierte oder betonierte Wege, hohe Streckenqualität
  • Trennung von Radverkehr und anderen Verkehrsströmen wie Autoverkehr, Fußgänger, motorisiertem Individualverkehr oder landwirtschaftlichem Verkehr

Rheinland-Pfalz schafft eine neue Rad-Infrastruktur für den Berufsverkehr

Pendler-Radrouten sollen auch in Rheinland-Pfalz ein wichtiger Bestandteil zur Lösung der in Ballungszentren vorhandenen Verkehrsprobleme sein. Städtische Zentren sollen mit ihrem Umland durch Pendler-Radrouten besser verbunden werden, um damit das Pendeln mit dem Rad zur Arbeit entscheidend zu fördern und die Innenstädte wirksam vom individuellen Autoverkehr zu entlasten. Ziel ist es, dass der Anteil des Fahrrades am Mobilitätsmix weiter wächst und damit zum festen Bestandteil nachhaltiger und verkehrssicherer Mobilitätsangebote für die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz wird.

Dazu hat der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz eine erste Planung für insgesamt sieben Pendler-Radrouten vorgelegt. Die Planung baut auf dem vorhandenen Radwegenetz auf und zeigt, wie mit geringen Investitionen Pendler-Radrouten als neue Radverkehrsnetze – möglichst frei von Umwegen, störungsarm, sicher, auch bei hohen Geschwindigkeiten, und getrennt von Fußgängern und anderen Verkehrsströmen – realisiert werden können. Der Fokus der Planung liegt auf dem Berufs- und Ausbildungsverkehr. So sollen besonders die Arbeitsplatzschwerpunkte in den Stadtzentren und Gewerbegebieten, die Hochschulen und Verwaltungsstandorte sowie die Bahnhöfe an die Pendler-Radrouten angebunden werden. Außerdem sollen wichtige Zubringerstrecken zwischen Stadt und Umland entstehen, die das ÖPNV-Netz sinnvoll ergänzen.

Die aufgeführten Pendler-Radrouten sind Gemeinschaftsprojekte von Land und Kommunen. Kommunale Bauabschnitte können bis zu 90 Prozent vom Land gefördert werden. Sie sollen zum größten Teil entlang bereits bestehender Wege entstehen. So können unkomplizierte, schnell umsetzbare und kostengünstige Lösungen gefunden werden, ohne dass aufwendige Baurechtsverfahren nötig sind.

  • Bingen am Rhein – Ingelheim am Rhein – Mainz
    Die 31 Kilometer lange Pendler-Radroute zwischen Bingen am Rhein und Mainz ist das Pilotprojekt des Landes. Sie wird von einer Kooperation der Städte Bingen am Rhein, Ingelheim am Rhein, Budenheim und Mainz realisiert. Der erste drei Kilometer lange Abschnitt des Weges ist bereits fertiggestellt. Die Strecke ist durch grüne Markierungen, Piktogramme und Infotafeln als Pendler-Radroute ausgewiesen. Im Jahr 2022 soll der rund 18 Kilometer lange Abschnitt von Bingen am Rhein nach Heidesheim am Rhein befahrbar sein. Die Weiterführung nach Mainz soll anschließend erfolgen.
  • Karlsruhe – Wörth am Rhein – Worms
    Die Strecke am Oberrhein zwischen Karlsruhe und Worms ist in drei Abschnitte unterteilt: 1) Worms – Frankenthal – Ludwigshafen, 2) Ludwigshafen – Schifferstadt und 3) Schifferstadt – Wörth am Rhein/Karlsruhe. In drei Machbarkeitsstudien von 2018 bis 2020 wurden die Abschnitte auf ihre Tauglichkeit geprüft. Zurzeit stimmen der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz und die an der Planung beteiligten  Kommunen das weitere Vorgehen zum Bau der Pendler-Radroute ab.
  • Konz – Trier – Schweich
    Die Machbarkeitsstudie für diese Route wurde im Mai 2021 an die beteiligten Kommunen übergeben. Der nächste Schritt ist nun die Abstimmung konkreter Maßnahmen für die Realisierung des Weges.
  • Neustadt an der Weinstraße – Landau in der Pfalz
    Die Planungen für die Pendler-Radroute zwischen Neustadt an der Weinstraße und Landau in der Pfalz laufen, die Machbarkeitsstudie soll bis Ende 2021 fertiggestellt werden.
  • Koblenz – Neuwied – Remagen – Linz am Rhein bis Landesgrenze Nordrhein-Westfalen
    Diese Radroute soll sowohl links- als auch rechtsrheinisch verlaufen. Angestrebt wird eine direkte, möglichst störungsarme Verbindung zwischen den an der Strecke liegenden Städten und Gemeinden. Erste Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen gegen Ende des Jahres 2021 vorgestellt werden.
  • Kaiserslautern – Landstuhl
    Der Korridor für eine Route zwischen Kaiserslautern und Landstuhl wurde bereits in einer Studie der Technischen Universität Kaiserslautern untersucht und die Ergebnisse den betroffenen Kommunen vorgestellt. Daran anknüpfend soll in Kürze eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden, sodass gegen Ende 2021 erste Ergebnisse vorliegen.

Vorfahrt für den Radverkehr heißt es somit in Rheinland-Pfalz in der nahen Zukunft: Denn das Ziel ist, dass bis zum Jahr 2026 alle Routen im Bau beziehungsweise sogar bereits fertiggestellt sind.