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Sommer, Sonne … Buch!

Die Ferien sind zu Ende, nicht aber der Sommer! Ein wichtiges Sommerthema ist auch bei uns das Lesen. Rolph stellt euch gute Bücher vor, die euch auf langen Zug- oder Busfahrten unterhalten und dabei helfen, die Fahrt zu einem angenehmen Erlebnis zu machen.

Vorstellen wollen wir euch gute Bücher aus verschiedenen Genres, die ganz unterschiedlichen Menschen gefallen können. Und wer könnte besser wissen, was ein gutes Buch ist, als ein guter Buchhändler? Wir haben daher mit Franz-Josef Burkhart von der Buchhandlung „blaue blume“ in Kaiserslautern gesprochen und ihn gefragt, welche Bücher er gut findet. Hier als Erstes seine drei Tipps:

Die Seele der Briten

„Fast ist es vergessen: Das Thema des letzten Jahres war der Brexit. Der englische Autor Jonathan Coe hat über die Zeit zwischen David Camerons Entscheidung für ein Referendum und Theresa Mays ‚Brexit means Brexit‘ einen fein gesponnenen Gesellschaftsroman geschrieben, der tief in die Seele der Briten blicken lässt, politische Zusammenhänge sichtbar macht und dennoch gut unterhält. ‚Middle England‘ ist ein Buch nicht nur für Freunde der britischen Literatur und des englischen Humors, sondern für alle, die von einem Buch auch auf neue Gedanken gebracht werden wollen. Coes Roman ist großartige Literatur und unterhält trotzdem gut“, meint Franz-Josef Burkhart.

Jonathan Coe: Middle England. Folio Verlag 2020, 477 Seiten, 25,00 €

 

Spritzige Komödie

„Nach einer Jugend in der Provinz und dem Rausschmiss aus dem College stürzt sich die 19-jährige Vivian in das aufregende Leben der vierziger Jahre in Manhattan: Musicals, Bars, Jazz und jede Menge zwielichtige Gestalten. Im ,Lily Playhouse‘, einem heruntergekommenen Theater, näht sie Kostüme und hofft auf eine Zukunft im Theatermilieu, angespornt und beschützt von einer weitläufigen Verwandten. Elizabeth Gilberts spritzige Komödie ‚City of Girls‘ ist gespickt mit glänzenden Dialogen, witzigen Einfällen und tausend unerwarteten Wendungen. Wunderbare Unterhaltung für Verehrer der klassischen Screwball-Filme der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“ Für Buchhändler Franz-Josef Burkhart ist Gilberts neues Buch damit „ein klassischer Unterhaltungsroman mit Niveau – und besser als ihr wohlbekanntes ‚Eat, Pray, Love‘.“

Elizabeth Gilbert: City of Girls. S. Fischer Verlag 2020, 490 Seiten, 16,99 €

 

Fundgrube nicht nur für Historiker

„Der Historiker Frank Bösch unternimmt in seinem Buch ‚Zeitenwende 1979‘ den Versuch zu zeigen, dass die Umbrüche des Jahres 1989 bereits zehn Jahre zuvor begannen: Mit der Revolution im Iran wuchs der Einfluss des Islams, der AKW-Unfall in Harrisburg zeigte die Gefährlichkeit der Atomenergie, die Gründung der Grünen brachte alte Polaritäten ins Wanken und mit der Fernsehserie ‚Holocaust‘ wurde ein ganz neues Geschichtsbewusstsein geweckt. Das Buch ist eine Fundgrube, ein Brunnen, aus dem nicht nur Geschichtskenner schöpfen können. Böschs Werk ist einfach ein ungewöhnliches Buch, das auch gut Informierte zum Nachdenken zwingt“, findet Franz-Josef Burkhart von der „blauen blume“.

Frank Bösch: Zeitenwende 1979 – Als die Welt von heute begann. Verlag C.H.Beck 2020, 511 Seiten, 16,00 €

Krimi für Kinder

Für Kinder hat die Mainzer Gutenberg Stiftung eine Empfehlung: Der historische Kinderkrimi „Johannes Gutenberg und die verschwundenen Lettern“, der im Verlag der Gutenberg Stiftung erschienen ist. 2020 wurde der Gutenberg-Kinderkrimi mit dem bronzenen HOMER-Literaturpreis ausgezeichnet.

In diesem lebendigen und kurzweiligen historischen Krimi wird Kindern ganz nebenbei nicht nur erklärt, wie der Buchdruck erfunden wurde und was es damit auf sich hat. Gleichzeitig entführt das Buch sie in die Zeit des Spätmittelalters und die Lebenswelt der Kinder dort. Da geht es um den Waisenjungen Martin und um seine Arbeit in der Werkstatt Johannes Gutenbergs im Jahr 1453, wo unter strenger Geheimhaltung an einer großen Erfindung gearbeitet wird. Als es in der Werkstatt zu Diebstählen kommt und Martin und seine Freundin Klara unter Verdacht geraten, machen sie sich auf die Suche nach den wahren Tätern.

Regine Kölpin und Gitta Edelmann: Johannes Gutenberg und die verschwundenen Lettern. Mit Illustrationen von Juno Sommer.
Verlag der Gutenberg Stiftung 2019, 240 Seiten, 8,80 €

Empfohlen ab 8 Jahren

 

Rolphs Spezial-Tipp: Film noir in Frankfurt am Main

Melancholisch, intensiv und absolut vereinnahmend ist der neue Roman des Mainzers Jürgen Heimbach. Sein Krimi spielt im Frankfurt der fünfziger Jahre und lässt die noch halbzerstörte Nachkriegs-Welt des bundesdeutschen Wirtschaftswunders wieder auferstehen. Protagonist ist der wortkarge ehemalige Fremdenlegionär Arnolt Streich, der unfreiwillig, aber nicht zufällig in die Intrigen von Geheimdienst, Waffenmafia und der algerischen Befreiungsbewegung FLN gerät. Ein Roman, der auf gut recherchierten historischen Fakten aufbaut und damit einen Film noir mit leisem Jazz, schweigsamen, zigarettenrauchenden Männern und dunklen, nassen Straßen schafft. Für alle, die gute Krimis lieben.

Heimbachs Krimi wurde als bester Kriminalroman des Jahres 2020 mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet.

Jürgen Heimbach: Die Rote Hand. Unionsverlag 2020, 288 Seiten, 13,95 €