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Strom statt Diesel 

Im Pfalznetz fahren zukünftig E-Züge mit Akku

Viele Jahre hat er treue Dienste geleistet, der Dieselzug. 70 Dieseltriebwagen hat die DB Regio im Pfalznetz in Betrieb und leistet damit rund 6,5 Millionen Zug-Kilometer pro Jahr. Nun steht die Entscheidung an, wer ab 2024 das Pfalznetz (siehe Grafik) bedient und mit welchen Eisenbahnfahrzeugen. Eine weitreichende Entscheidung, denn Züge haben eine lange Lebensdauer und Investitionen in die Infrastruktur stellen Weichen für viele Jahrzehnte. 

Es ist also ein guter Zeitpunkt zu überlegen, wohin die Reise des schienengebundenen Personennahverkehrs in Rheinland-Pfalz gehen soll.

Schienenverkehr soll ökologischer werden

Zuständig für diese Entscheidung für das Pfalznetz ist der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd). Er hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Klar ist: Der Schienenverkehr soll ökologischer werden. Um herauszufinden, mit welchen alternativen Antriebstechniken das in der Pfalz gelingen kann und ob das wirtschaftlich vertretbar ist, hat der ZSPNV Süd die Technische Universität Dresden mit einer Untersuchung beauftragt (siehe Interview).

 

Investitionen in Infrastruktur nötig

Eindeutiger Sieger des wirtschaftlichen, technischen und ökologischen Vergleichs: der mit Batterie aufgerüstete Elektrozug, das sogenannte „Oberleitungs-Batterie-Hybrid-Fahrzeug“. Um einen Einsatz dieser Elektrozüge zu ermöglichen, müssen zum Nachladen der Batterien fünf Bahnhöfe sowie zwei Streckenabschnitte mit Oberleitungen ausgerüstet werden. 

Damit das reibungslos funktionieren kann, ist geplant, dass die neuen Eisenbahnfahrzeuge erst nach und nach auf den verschiedenen Strecken eingesetzt werden. Ab Dezember 2024 sollen die Elektrozüge in der Südpfalz zwischen Kaiserslautern und Karlsruhe unterwegs sein. Bis Dezember 2026 sind dann auf allen Strecken des südlichen Pfalznetzes die neuen Triebwagen im Einsatz, so der Plan.

 

Ausschreibung steht kurz bevor

Die europaweite Ausschreibung, die den passenden Betreiber für dieses Konzept finden soll, steht kurz bevor. Parallel dazu hat der ZSPNV Süd gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz bei DB Netz und DB Energie die Planung der Oberleitungsinselanlagen in Auftrag gegeben, damit zum Start des Netzes die notwendige ergänzende Infrastruktur einsatzbereit ist.

 

Im Westen bleibt der Diesel noch

Für den Streckenabschnitt zwischen Kaiserslautern und Bingen, dessen neue Betreiber in einem zweiten Los gesucht werden (also vor allem die Strecke zwischen Kaiserslautern, Bad Kreuznach und Bingen, siehe Grafik), bleibt zunächst alles beim Alten. Diese Strecke wird in den kommenden Jahren weiter mit Dieselfahrzeugen betrieben. Die Laufzeiten für die verschiedenen Strecken werden aber bis 2037 befristet, um eine einheitliche Lösung mit den Verkehren in Rheinhessen im Anschluss zu ermöglichen.

 

Ausblick: Auch im Norden tut sich was

Gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium setzt sich auch der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) bereits für alternative Antriebsformen auf Eisenbahnstrecken ein, wovon konkret auch die Ahrtalbahn profitieren soll. Aktuell läuft eine Studie, mit der zwei mögliche Anwendungen alternativer Antriebsformen für den kombinierten Einsatz auf elektrifizierten und nichtelektrifizierten Strecken auf der Ahrtal- und der Pellenz-Eifel-Strecke näher unter die Lupe genommen werden. Ziel dabei ist der Testbetrieb eines Batteriezuges auf der Ahrtalbahn und eines Wasserstoffzuges auf der Pellenz-Eifel-Bahn.