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Unterwegs mit Bus und Bahn? Aber sicher!

Sicherheit geht vor! Das gilt für alle Bereiche des Lebens – und natürlich auch auf öffentlichen Plätzen, im Straßenverkehr und in allen dazugehörigen Verkehrsmitteln.

Denn wo Technik, Geschwindigkeit und viele Menschen zusammenkommen, gibt es ein vielfältiges Gefahrenpotenzial, von der liegen gelassenen Bananenschale auf dem Gehweg über eine unerwartet scharfe Bremsung bis hin zu einem persönlichen Unsicherheitsgefühl, wenn man zum Beispiel spätabends unterwegs ist. 

Die beste Nachricht zuerst: Laut dem Verkehrsträgervergleich der Allianz pro Schiene, dem Automobil-Club Verkehr (ACV) und der Kriminalstatistik gehört die Bahn mit großem Abstand zu den sichersten Verkehrsmitteln, auch der Bus liegt klar vor dem Pkw. Die Wahrscheinlichkeit, in eine Gefahrensituation zu geraten, ist grundsätzlich also gering. Es wird dennoch viel unternommen, damit Fahrgäste und alle Mitarbeiter sich sicher fühlen können – und vor allem auch sicher sind. Rücksichtnahme und Achtsamkeit sind zweifellos die wichtigsten Aspekte, sodass ein „von A nach B“ sich für alle nach „Fahrvergnügen in guter Gesellschaft“ anfühlt. Was darüber hinaus getan wird, wollten wir von Thomas Löffler, Regionaler Security Manager der DB Regio Mitte, erfahren und haben nachgefragt:

Herr Löffler, Sie sind in Ihrer Funktion als Security Manager zuständig für die Sicherheit der Fahrgäste in den Ländern Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und Nordbaden. Was tun Sie, damit sich die Menschen in RLP sicherer fühlen? 

Thomas Löffler:  In Rheinland-Pfalz haben wir vertraglich festgeschrieben, dass abends ab 19 Uhr in allen unseren Zügen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter mitfahren. Das bedeutet: Ab diesem Zeitpunkt steht unseren Fahrgästen in jedem Zug ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung. 

Unsere in Rheinland-Pfalz eingesetzten Fahrzeuge sind zu einem Großteil bereits mit Videokameras ausgestattet. Sie zeichnen auf, was in den Waggons geschieht, und speichern diese Aufzeichnungen 72 Stunden lang. Das sorgt zum einen für eine gewisse Abschreckung und hilft, Straftaten aufzuklären. Auch die Bauweise der Fahrzeuge – hell, freundlich und übersichtlich – trägt dazu bei, dass sich Fahrgäste sicherer fühlen. Darüber hinaus sind unsere modernen Züge mit einer Sprechanlage ausgerüstet. Von einer Sprechstelle im Einstiegsbereich kann man mit dem Lokführer Kontakt aufnehmen. Er kann im Notfall Hilfe holen. Auch haben wir regelmäßig in unseren Zügen Sicherheitspersonal, das präventiv bei Störungen eingreifen kann. Dass Polizeibeamte in Uniform kostenlos in unseren Zügen fahren können und das auch tun, trägt zusätzlich dazu bei, dass sich unsere Fahrgäste sicher fühlen dürfen.

 

Wie wird Ihr Personal ausgebildet, damit es mit eskalierenden Situationen umgehen kann? Und wie sind die Sicherheitsleute ausgerüstet?

Thomas Löffler: Unser gesamtes Zugbegleitpersonal wird regelmäßig geschult. Alle zwei Jahre findet speziell ein Deeskalationstraining statt. Dieses Training ist Pflicht. Darüber hinaus bieten wir auf freiwilliger Basis eine Schulung für den Umgang mit einem Tierabwehrspray, dem sogenannten „Pfefferspray“ an. In diesen Schulungen werden die rechtlichen Grundlagen erlernt und insbesondere Notwehr- und Nothilfesituationen geübt und trainiert.

Alle Zugbegleiter und Zugbegleiterinnen müssen darüber hinaus regelmäßig ein Erste-Hilfe-Seminar besuchen. Auch das von uns beauftragte Sicherheitspersonal wird regelmäßig in Deeskalation und Erster Hilfe geschult. Hier finden noch zusätzliche Einsatztrainings statt, da diese Mitarbeiter neben Tierabwehrspray (Pfefferspray) auch mit Schlagstock und Handfesseln ausgestattet sind. 

 

Menschen, die im öffentlichen Raum Aufgaben von Sicherheit und Ordnung wahrnehmen, werden auch selbst manchmal Opfer von Anfeindungen und Gewalt. Was wird zum Schutz dieser Personen getan?

Thomas Löffler:  Die Bahn bietet ihren Mitarbeitern an, sie mit unterstützenden Geräten zur Notwehr auszustatten. Dazu gehören ein Schrillalarm, eine sogenannte Notruf-App auf dem Handy, aber auch ein Tierabwehrspray. Das soll in erster Linie abschrecken. Kam es dennoch zum Übergriff, bieten wir spezielle psychologische Hilfe an. Auch unsere Gewerkschaften haben hier entsprechende Hilfsprogramme im Angebot. 

Vor allem aber wollen wir auch die Angreifer zur Rechenschaft ziehen: In einem sogenannten „Arbeitgeberregress“ versuchen wir, alle Kosten, die durch den Übergriff entstanden sind, zivilrechtlich geltend zu machen. Dazu gehören die Ausfallkosten des Mitarbeiters oder auch Zugverspätungs- und Zugausfallkosten.

 

Und was kann ich als Fahrgast zu meiner eigenen Sicherheit beitragen?

Thomas Löffler:  Grundsätzlich ist es ratsam, sich in Gesellschaft anderer zu begeben und sich nicht in gänzlich leere Wagen zu setzen. Wache Ohren, ohne Kopfhörer, sind hilfreich, um die Umgebung und besondere Durchsagen wahrzunehmen und entsprechend handeln zu können. Sollte jemand zudringlich werden und provozieren, geht man am besten nicht darauf ein oder sucht das Gespräch mit einem Passanten beziehungsweise Mitfahrenden. Und wenn einem doch jemand zu nah kommt, ist dieser höflich, aber bestimmt darauf hinzuweisen, dass das nicht erwünscht ist; die „Sie“-Form signalisiert dem Umfeld dabei, dass man die Person nicht persönlich kennt und generiert im Zweifel die entsprechende Aufmerksamkeit für die Situation.

Sollte man selber bemerken, dass eine andere Person bedrängt wird, heißt esHilf anderen, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen“. Hier ist die Polizei und/oder das Personal im Zug zu alarmieren. Ein Notruf ist immer kostenfrei und meistens auch dann möglich, wenn ein Mobiltelefon keinen Empfang anzeigt, da es sich automatisch in das nächste verfügbare Netz einwählt. Im absoluten Notfall kann auch die Notbremse gezogen werden. In jedem Falle sollte man Abstand vom Täter halten und sich später als Zeuge zur Verfügung stellen. 

Neben den zwischenmenschlichen Situationen kann aber jeder Fahrgast durch Achtsamkeit und Vorsicht einen wichtigen Teil zur eigenen und zur allgemeinen Sicherheit beitragen. So machen beispielsweise immer wiederkehrende Durchsagen wie „Bitte zurücktreten, der Zug fährt ein“ oder „Vorsicht, Türen schließen selbstständig“ ebenso Sinn wie unserer Notrufnummer, an die sich alle Fahrgäste in schwierigen Situationen wenden können. Die Bereitschaft zur Hilfe ist groß!

Zur Person:


Thomas Löffler, Regionaler Security Manager der DB Regio Mitte, zuständig für Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und Nordbaden. Bei der Deutschen Bahn AG beschäftigt seit 1981; Security Manager seit 2003.

Aufgabenbeschreibung: Federführung und Koordination aller securityrelevanten Maßnahmen in der Region zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung sowie zur Abwendung von Gefahren für Reisende und Mitarbeiter sowie der Schädigung von Fahrzeugen oder des Betriebs. Dazu wird mit der Konzernsicherheit und den Sicherheitsbehörden zusammengearbeitet.