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Wie entsteht eigentlich ein Zug-Fahrplan?

In 9 Schritten von der Idee zur Umsetzung

Er hängt an jeder Bushaltestelle und an jedem Bahnsteig: der Fahrplan. In unserem mobilen Alltag bietet er uns Orientierung und bestimmt unsere Zeitplanung wesentlich mit. Aber wie gelangt er eigentlich dahin? Wer entwickelt einen Fahrplan, wer ist alles in die Abstimmungen involviert und welche Schritte stecken dahinter? Das erläutern wir euch hier anhand eines Zug-Fahrplans.

Schritt 1: Langfristige Verträge

Die Basis aller Fahrpläne bilden langfristige Verträge, die den Leistungsumfang regeln, den ein Fahrplan abdecken muss. Diese Verträge schließen die Akteure im Rahmen von Ausschreibungen, die die Ausschreibungsfahrpläne als Muster vorgeben. Diese Ausschreibungsfahrpläne erarbeiten die Planerinnen und Planer auf Basis des Rheinland-Pfalz-Taktes, der eine stündliche Taktung vorgibt. Die Ausschreibungsfahrpläne regeln die grundsätzlichen Verläufe und geben vor, welche Sitzplatzkapazitäten die ausführenden Unternehmen vorhalten müssen. 
Ziel hierbei ist der sogenannte „Integrierte Taktfahrplan“ (ITF). Die Züge fahren in der Regel mindestens jede Stunde und bieten an sogenannten Knotenbahnhöfen bestmögliche Anschlüsse zu anderen Zugverbindungen. Es kann der Fall eintreten, dass wir nicht jeden Anschluss ermöglichen können. Dann konzentrieren wir uns auf die Anschlüsse, die der Rheinland-Pfalz-Takt als am wichtigsten einstuft.

 

Schritt 2: Neue Anforderungen sammeln

Nach dem Fahrplan ist vor dem Fahrplan. Bereits rund ein Jahr vor der Umsetzung des ersten Fahrplans gibt es Abstimmungsrunden mit den beteiligten Verkehrsunternehmen für den nächsten Fahrplanwechsel. 

Jeder neue Fahrplan wird auf Basis seines „Vorgängers“ entwickelt. Inwiefern der „Vorgänger“ angepasst werden muss, hängt von den sich ständig verändernden Gegebenheiten und Anforderungen an das Mobilitätsangebot ab. 

Diese neuen Anforderungen tragen die Aufgabenträger des Nahverkehrs in Rheinland-Pfalz (der SPNV-Nord und ZSPNV Süd) zusammen. Hierzu sind sie auch auf Rückmeldungen der Kunden angewiesen! Funktioniert beispielsweise ein Anschluss regelmäßig nicht, suchen die Aufgabenträger dafür eine Lösung. Manchmal wünschen sich Kunden eine zusätzliche Verbindung. Auch das versuchen die Aufgabenträger im Rahmen der vorhandenen Infrastruktur und des finanziellen Budgets umzusetzen. 

Darüber hinaus stellen die Eisenbahnverkehrsunternehmen, die die Strecken bedienen, den Aufgabenträgern regelmäßig Fahrgastzahlen zur Verfügung. Auch aus diesen Zahlen geht hervor, wo Verbesserungsbedarf besteht. Oft hilft es schon, eine Verbindung zeitlich leicht zu verschieben. Wenn zum Beispiel Anschlüsse verbessert werden oder die neue Abfahrtszeit eines Zuges besser auf die Schichtzeiten von Unternehmen passt, können mehr Menschen diese Verbindung nutzen.

 

Schritt 3: Erste Überprüfung

Die Unternehmen prüfen gemeinsam mit den Infrastrukturunternehmen (zum Beispiel DB Netz, RP Eisenbahn), ob die gewünschten Änderungen umsetzbar sind. Infrastrukturunternehmen sind die Betreiber der Infrastruktur, also von konkreten Trassen. 
Bei der Überprüfung spielen verschiedene Fragestellungen eine wesentliche Rolle:

  1. Ist die gewünschte Strecke überhaupt verfügbar? Also: Fährt nicht zu der gewünschten Zeit bereits ein anderer Zug? Das ist insbesondere auf eingleisigen Strecken eine große Koordinierungsarbeit.

  2. Sind die Fahrtzeiten mit dem eingesetzten Fahrzeug überhaupt einzuhalten?

  3. Stehen Fahrzeuge für die Verbindung zur Verfügung, die dafür genutzt werden können?

  4. Sind die Länge des Zuges und die Länge des Bahnsteiges kompatibel?

  5. Gibt es langfristig geplante Baustellen, die dafür sorgen, dass der Zug nicht fahren kann?

 

Schritt 4: Der Fahrplan wird "bestellt"

Die betreibenden Verkehrsunternehmen müssen die gewünschten und mit den Aufgabenträgern abgestimmten Fahrpläne bei den Infrastrukturunternehmen formal bestellen. Das passiert rund neun Monate vor dem Fahrplanwechsel.

 

Schritt 5: Zweite Überprüfung

Kollidiert der Fahrplan mit den Wünschen von Güter- oder Fernverkehr?

Neben dem Nahverkehr wollen natürlich auch der Güter- und Fernverkehr die bestehende Infrastruktur nutzen. Hier kann es zu Konflikten kommen, wenn der Nahverkehr und der Güter- oder Fernverkehr eine Strecke zur selben Zeit nutzen möchten. Dann ist clevere Koordinierungsarbeit seitens der Infrastrukturunternehmen gefragt, die diese Strecken betreiben. 
Um solche Fälle zu lösen, dürfen die Infrastrukturunternehmen Züge bis zu drei Minuten verschieben. Dann melden sie den Unternehmen zurück, wie sie den gewünschten Fahrplan umsetzen können.

 

Schritt 6: Wenn nötig, werden Änderungen vorgenommen

Die Unternehmen können Fahrpläne bei den Infrastrukturunternehmen beanstanden, falls Züge um mehr als drei Minuten verschoben wurden. Die Parteien stehen dazu in engem Austausch und finden gemeinsam eine Lösung.

 

Schritt 7: Der neue Fahrplan wird vertraglich besiegelt

Die Unternehmen erhalten den endgültigen Fahrplan. Die Aufgabenträger prüfen, ob die Änderungswünsche berücksichtigt wurden und stimmen – wenn dem so ist – den endgültigen Fahrplänen zu. Die Unternehmen können dann gegenüber dem Infrastrukturunternehmen einen sogenannten verbindlichen Trassenvertrag für ein Jahr abschließen, der die Nutzung der Trasse regelt. Das geschieht knapp ein halbes Jahr vor dem Fahrplanwechsel.

 

Schritt 8: Der neue Fahrplan wird veröffentlicht

Es bleiben noch zwei bis drei Monate, um kleinere Anpassungen vorzunehmen; anschließend werden die Fahrpläne veröffentlicht.

Schritt 9: Der neue Fahrplan ist ab jetzt gültig

Der nächste internationale Fahrplanwechsel ist am 15.12.2019. Dann treten die abgestimmten Fahrpläne in Kraft.